Es ist dumm und naturentfremdet zu behaupten, dass Wespen Arschlöcher sind. Mir egal.

Wespen sind Arschlöcher!

Riesige kleine, aufdringliche und gleichzeitig leicht reizbare, sommerverderbende Arschlöcher! Wenn eine auf mich zusteuert, bollert mein Herz vor Wut, als würde ich einen Trump-Tweet lesen. Was willst du? Warum hast du so viel Macht mit deinem Gift? Wespen arbeiten mit derselben faschistoiden Grundwaffe wie Trump. Angstmache:

"Das ist aber ein hübsches Tiramisu, was du da hast."

"Danke, liebe Wespe. Meine Freundin und ich haben es selbst zubereitet und die ganze Nacht gewartet, damit es ziehen kann."

"Wie süß. Wäre doch eine Schande, wenn du es jetzt nicht genießen könntest. Sagen wir, weil ein kleiner 'Unfall' passiert und dir jemand 'aus Versehen' einen Giftcocktail aus Acetylcholin, Histamin, Phospholipasen und diversen Aminosäuren unter die Haut spritzt."

"Bitte nicht!"

"Besser, du gibst uns einfach freiwillig etwas ab. Und unseren Verwandten. Die werden auch bald hier landen, okay!"

Die ZEIT-Redaktion, ein Haufen ins ökologische Gleichgewicht vernarrter Faktenfuzzis, wollte mir nur unter einer Bedingung erlauben, einen Hasstext über Wespen zu verfassen: wenn ich zuerst ihre Bedeutung für die Umwelt hervorhebe. Ich rate also dazu, den folgenden Absatz zu überspringen.

Viele glauben, dass Bienen fleißig und integer seien, während Wespen einfach die Zuckerwürfel rollen lassen und nebenbei Leute verkrüppeln. Biologen präsentieren leider alternative Fakten. Wespen sind nicht nur Schädlingsbekämpfer (1000 Wespen fressen 3000 Mücken, Fliegen, Raupen oder Spinnen am Tag). Sie arbeiten auch als Bestäuber. Und im Gegensatz zu Bienen, die bei schlechtem Wetter zu Hause bleiben und netflixen, erfüllen Wespen diesen Dienst an der Schöpfung sogar bei Regen. Auch deshalb ist es in Deutschland gesetzlich untersagt, Wespen zu töten, das kann mit bis zu 65.000 Euro Strafe belangt werden. (Je nach Bundesland, Zahl der Toten und biologischer Unterart.) Danke, Wespen-Lobby!

Was zählen in diesem Land schon die Ängste eines einfachen Mannes, der gern ungestört Wassermelone am See essen würde? Stattdessen werden gemeingefährliche Kreaturen hofiert! Kreaturen, die ihr Gift beliebig oft injizieren können, weiterfliegen und abends an der Wabentheke vor ihren Faschofreunden damit prahlen. Selbst in zwei Teile zerrissen und in den ersten Minuten nach ihrem Tod funktioniert der Stechreflex von Wespen weiter! Ganz anders als bei Bienen. Die stechen nur einmal und sind dann tot, zahlen noch ehrlich mit ihrem Leben. Weswegen Bienen auch auf kleinkriminelle Tiramisu-Erpressung verzichten.

Wohin ich derzeit auch gehe, überall sehe ich verängstigte Menschen in unnatürlichen Körperhaltungen. Gute, ehrlich arbeitende und ehrlich nicht arbeitende Leute, die lange auf den Sommer warten mussten, die Limonade mögen und nun mit angewinkelten Ellenbogen in Wespenbeschwichtigungsstarre verharren. Menschen, die bei 30 Grad traurig eingekerkert auf ihren Balkon schauen, auf dem es nur theoretisch schön wäre zu frühstücken. Die eine Kugel Eis mit einem geschwollenen Körperteil bezahlen. Doch am schlimmsten ist, dass sie sich für dieses Leid auch noch belehren lassen müssen! Von selbstgerechten Naturverherrlichern, die sich zu Wespenflüsterern stilisieren und Unmengen wirkungsloser Weisheiten verbreiten: "Die tun dir ja nix, wenn du ihnen nichts tust." Dass ich nicht lache!

Sei korrekt zur Wespe, dann ist die Wespe auch korrekt zu dir, lautet also der Rat des Wespenverstehers. Schließlich würden die Tiere ja nur stechen, sobald sie sich in Lebensgefahr wähnen. Oder weil man ihrem Nest zu nahe gekommen ist.

Was zählen in diesem Land schon die Ängste eines einfachen Mannes, der gern ungestört von Wespen Wassermelone am See essen würde?

Mal davon abgesehen, dass Wespen selten zum Bürgeramt gehen und melden, wo sie gedenken, sich häuslich niederzulassen, sodass man ihre Siedlungen bewusst meiden könnte. (In Herne wurde kürzlich ein 50-Jähriger in seinem Garten totgestochen, als er seine Hecke trimmte.) Woher soll man wissen, was eine Wespe als Friedenszustand erachtet? Und wo bleibt dabei bitte die Gegenperspektive, die danach fragt, ab welchem Punkt ich mich bedroht fühle? Bin ich etwa nicht Teil der Natur?

Vergangene Woche im Park versuchten gleich zwei Tier-Trumps in meinen Mund zu fliegen. Die Essensreste zwischen meinen Zähnen als ihren rechtmäßigen Besitz ansehend. Welches andere Lebewesen ist so dreist und asozial, einem das Essen aus den Zähnen zu zocken? "CROOKED MAN DIDN’T WANT TO SHARE HIS TOOTHFOOD. VERY UNFAIR!"

Ich versuchte, meinen Mund geschlossen zu halten. Denn selbst die lausigsten Leugner geben zu, dass ein Stich im Bereich der Atemwege tödlich enden kann.