War der Montag wirklich ein "ganz toller Tag für Hamburg", wie Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt jubelte? Sie legte den Grundstein für zwei Mehrfamilienhäuser in Neugraben, die mit der Vorgabe gebaut werden, dass die Netto-Kaltmiete nicht mehr als acht Euro beträgt – und zwar ohne Subventionierung. Acht Euro pro Quadratmeter netto kalt? Wer in der Baubranche tätig ist, schüttelt jetzt womöglich ungläubig den Kopf: Wie soll das gehen? Bei den Grundstückspreisen? Bei den energetischen Auflagen? Mitten im Bauboom, in dem viele Handwerker Mondpreise nehmen können? "Modellvorhaben" nennt die Behörde das Projekt. Hamburg soll "für Haushalte mit durchschnittlichen und mittleren Einkommen bezahlbar sein".

In Wahrheit wird das Projekt keinen großen Beitrag zur Bezahlbarkeit des Wohnungsmarkts leisten. In Neugraben werden 44 Wohnungen gebaut, zusammen mit einem weiteren Projekt kommt der "Acht-Euro-Wohnungsbau" derzeit auf knapp 200 Einheiten, also kaum zwei Prozent der jährlich neu gebauten Wohnungen. Das ist kein Grund, das Modellvorhaben zum reinen Prestigeprojekt des Senates zu erklären. Es soll zeigen, dass bezahlbarer Wohnungsbau grundsätzlich möglich ist. Das ist verdienstvoll in einer Zeit, in der man sich fragt, wo eigentlich die schlecht bezahlten Arbeitnehmer künftig wohnen sollen, wenn die Neubaumieten mit Glück bei elf Euro netto kalt pro Quadratmeter beginnen.

Die Frage ist also: Beweist das Modellbauprojekt wirklich, dass es auch billiger geht? Technisch gesehen ja. Die Häuser in Neugraben verzichten auf alles, was Wohnungsbau heute teuer macht: Es gibt keine Tiefgarage, keinen Aufzug – was auf Kosten der Barrierefreiheit geht –, die Geschosshöhe liegt beim Mindestmaß dessen, was die Bauordnung fordert. Sprich: Die Ausstattung ist basic, wie man auf Neudeutsch sagt. Womit die Grenzen des Modellvorhabens schon benannt sind. Kaum jemand würde ohne Not so planen. Wo immer private Investoren in Hamburg ein Grundstück ergattern können, werden Tiefgaragen gebuddelt und am besten zwei Balkone pro Wohnung an die Fassade gesetzt. Familien, die maximal acht Euro pro Quadratmeter bezahlen können, sind da nicht konkurrenzfähig und sollen bitte im Altbestand wohnen.

Dass die Bauherren in Neugraben so günstig bauen, hat mit Zwang zu tun: Um das Grundstück von der Stadt zu bekommen, müssen sie sich verpflichten, Wohnungen mit einer Anfangsmiete von acht Euro anzubieten. Das Geheimnis des Modellvorhabens liegt also weniger darin, Techniken des günstigeren Bauens zu entwickeln, die sind kein Zauberwerk. Es geht darum, dass die Stadt genügend Baugrund zur Verfügung stellt und die Vergabe daran knüpft, dass günstig gebaut wird. Die Zukunft des bezahlbaren Wohnens hängt also davon ab, ob sich Politiker dazu durchringen können, den Markt sanft zu gängeln.