"Doktor D’Adamo ist der erstaunlichste Heiler, den ich kenne." Das sagt der Modeschöpfer Tommy Hilfiger, jedenfalls laut der Website von Peter D’Adamo, dem Erfinder der Blutgruppendiät. "Sein Wissen darüber, wie der Körper funktioniert, ist unglaublich!"

Es ist tatsächlich unglaublich, was der Naturheiler über den menschlichen Körper erzählt, insbesondere über die Blutgruppen. Nach seiner Lehre enthalten unterschiedliche Nahrungsmittel unterschiedliche Sorten von Lektinen, das sind komplexe Eiweißverbindungen. Und die könnten sich an die blutgruppenspezifischen Antikörper im Blut anheften und es so verklumpen lassen, was zu allerlei Krankheiten führe. Deshalb müssten Menschen sich entsprechend ihrer Blutgruppe ernähren.

D’Adamo sagt auch konkret, was zu welcher Blutgruppe passt: Die Blutgruppe 0 sei demnach die entwicklungsgeschichtlich älteste, vorherrschend sei sie bei den Jägern und Sammlern gewesen. Ihre Träger müssten eine Steinzeitdiät praktizieren: viel Eiweiß zu sich nehmen, dazu Gemüse und Obst, keine Milchprodukte, keinen Weizen. Die zweitälteste Blutgruppe sei die Gruppe A, sie sei in der Jungsteinzeit entstanden, als der Mensch den Ackerbau erfand. A-Typen sollten sich vegetarisch ernähren, allenfalls ein bisschen Fisch essen und Milchprodukte meiden. Letztere sind den Trägern der Blutgruppe B vorbehalten, die erst vor 15.000 Jahren unter asiatischen Viehzüchtern entstanden sei. Glücklich dürfen sich die AB-Typen schätzen, die praktisch alles essen dürfen.

Schon diese Entstehungsgeschichte der Blutgruppen ist reine Fantasie. Es ist nicht geklärt, welche die Ur-Blutgruppe unserer Vorfahren war. Die Sache kann auch nicht viel mit der Wirtschaftsform zu tun haben, Menschenaffen haben ebenfalls die Blutgruppen A, B und 0. Und was die angeblichen Unverträglichkeiten angeht: Ausgerechnet in Asien, wo die Blutgruppe B verbreitet ist, vertragen viele Menschen keine Milch.

Im Jahr 2013 machten sich Forscher des belgischen Roten Kreuzes auf die Suche nach wissenschaftlichen Studien, die den Nutzen der Blutgruppendiät belegen könnten – sie fanden keine (American Journal for Clinical Nutrition), auch wenn sie D’Adamo in seinen Büchern immer wieder angekündigt hat. Die Stiftung Warentest fällte schon vor einigen Jahren das niederschmetternde Urteil: "Da wir trotz jahrhundertelanger Verstöße gegen diese Regeln immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach dem Sinn und Unsinn der Diät."

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