Das gab es noch nie in der jüngeren Geschichte des Katholizismus: Da fordert ein Erzbischof den Papst per Brief öffentlich auf, zurückzutreten. So als wäre Pontifex ein politisches Amt wie jedes andere, seit Benedikt XVI. am 28. Februar 2013 den Stuhl Petri angeblich aus gesundheitlichen Gründen räumte, um als "Papa emeritus" (was immer das kirchenrechtlich ist) fortan durch die Vatikanischen Gärten zu flanieren.
Schon formal ist die Traute von Erzbischof Carlo Maria Viganò also einmalig. Gegen alle Gehorsamskonventionen bietet er dem Papst vor aller Welt die Stirn. Hinzu kommt: Die Rücktrittsforderung des vatikanischen Diplomaten und ehemaligen Apostolischen Nuntius in den USA traf Franziskus im vielleicht verletzlichsten Moment seines Pontifikats: während einer diplomatisch heiklen Mission im einst sehr katholischen Irland.