Ein großer Schritt in Richtung Vielfalt, ein Film, der Hollywood verändern wird – starke Worte, mit denen Crazy Rich Asians angepriesen wurde. Tatsächlich ist es seit 25 Jahren der erste Hollywoodfilm, der nur von und mit Menschen asiatischer Herkunft gedreht wurde und in dem Asiaten nicht nur als Nerds, fleißige stille Mädchen oder Kung-Fu-Killer vorgeführt werden. In den USA kam er auf Platz eins der Kinocharts. Es ist eine kitschige Liebeskomödie, nach dem Bestseller von Kevin Kwan: Rachel Chu (Constance Wu), New Yorker Ökonomieprofessorin mit chinesischer Mutter, begleitet ihren Freund, den attraktiven Nick Young (Henry Golding), in dessen Heimatstadt Singapur, um die Familie kennenzulernen. Dort erfährt Rachel zu ihrer Überraschung, dass Nick sozusagen der Prinz William Ostasiens ist (nur mit vollerem Haar) und die Familie Teil der superreichen Elite des Inselstaats. Das Drama dreht sich um Herkunft und Zugehörigkeit. Leitmetapher ist die Banane; Rachel muss schmerzhaft erfahren, dass sie genau das ist: außen chinesisch, also gelb, innen weiß, amerikanisch, und deshalb nach Meinung der Mutter nicht geeignet für ihren Sohn.

In Deutschland gilt der Film bisher eher als Geheimtipp. Auf Twitter wurden aber schon Rassismusvorwürfe laut, weil der deutsche Verleih den Filmtitel zu Crazy Rich verkürzt hatte. Vielleicht hatte er jedoch damit schon auf Kritik reagiert, die vor allem außerhalb der USA am Originaltitel laut wurde – der Sammelbegriff Asians verrate eine westliche Sicht auf den Kontinent, in dem es schließlich nicht nur Chinesen gibt. Was ist mit Indern? Malaien? Japanern? Auch für Singapur ist das geschilderte Milieu nicht repräsentativ, Malaien und Inder, die immerhin 22 Prozent der Bevölkerung ausmachen, kommen nicht vor. Ferner sprächen die Schauspieler das Singlish der Stadtelite mit westlichem Akzent. Der Film zeige ein perspektivisch verzerrtes Bild Singapurs.

Die Debatte verweist auf größere Fragen. Erstens zeigt sich, wie schwierig die Abbildung von Diversität ist. In den USA dafür hochgelobt, die asiatischstämmige Minderheit dort endlich angemessen zu repräsentieren, ist der Film von Singapur aus betrachtet gerade kein Meilenstein der Diversität. Die zweite Frage knüpft an die Debatte um den Film Ghost in the Shell an. Scarlett Johansson spielte eine Figur mit asiatischen Zügen, was ihr den Vorwurf des blackfacing eintrug, also der heute als rassistisch eingestuften Praxis, weiße Schauspieler als Schwarze zu schminken. Wer darf überhaupt welche Rollen übernehmen? Regisseur Jon M. Chu und der Buchautor der Crazy Rich waren sehr darauf bedacht, die Figuren "richtig" zu besetzen, am liebsten hätte man Nick Young von jemandem spielen lassen, der auch in Oxford studiert hat. Das Beispiel zeigt ein Verständnis von Fiktion, das der Schauspielkunst kuriose Grenzen setzt. Es zeigt aber auch, wie wenig selbstverständlich Diversität in einem weißen und heteronormativen Kino ist. Ein Kommentator im chinesischen Online-Forum Douban schrieb: "Meine in Amerika geborenen chinesischen Freunde liebten den Film, meine chinesischen Freunde hassten ihn."