Larger than life – überlebensgroß – war John McCain, der Senator und zweifache Präsidentschaftskandidat, der im Alter von 81 seinen Kampf gegen einen Hirntumor verloren hat. Sein Leben – wofür er stand, was er tat – liest sich wie eine zeitlose Heldenlegende. Aber seine reelle Bedeutung im heutigen Amerika wird erst im Vergleich zu Donald Trump klar: McCain war alles, was Trump nicht ist – das absolute Gegenmodell.

Trump kennt weder Regeln noch Anstand. Er verrät seine Freunde, angefangen mit den Europäern, und hofiert die Tyrannen, die Putins und die Kims. Ihm geht Macht über Recht, Moral ist ihm ein Fremdwort. Statt die Nation zu einen, betreibt er genussvoll die Spaltung. Außen- und Handelspolitik sind ihm ein Nullsummen-Spiel: Ich gewinne, wenn du verlierst.

Dagegen verkörperte McCain die altmodischen Tugenden, die in der Politik kaum zum Stimmenfang taugen: Ehre, Aufrichtigkeit, Courage, Standhaftigkeit und die Bereitschaft zur Abbitte, wenn er einen Fehler erkannt hatte – bis hin zur Selbstverleugnung. Diese Stärken zeigte der abgeschossene Navy-Pilot bereits während seiner langjährigen Gefangenschaft in Nordvietnam, wo sein Dasein zwischen Folter und Einzelhaft pendelte. Als seine Peiniger herausfanden, dass sein Vater Oberbefehlshaber der US-Kräfte im Pazifik war, wollten sie ihn als Propagandageste freilassen. Der Sohn lehnte ab. Erst müssen jene befreit werden, die schon länger als er im "Hanoi Hilton" saßen – keine Vorzugsbehandlung.

Als Chef des mächtigen Streitkräfte-Ausschusses im Senat avancierte McCain zum Führer der Republikaner-Opposition gegen Trump – was ihm dessen gnadenlosen Hass eintrug. Er sprach für die Nato und gegen Putin (ein "Strolch"), für Menschenrechte und gegen Protektionismus ("wahnsinnig"). Noch ein altmodischer Begriff: Gentleman. Als er 2008 gegen Obama unterlag, zelebrierte er die guten Sitten: Er "hat Großes für sich und sein Land geleistet. Er wird auch mein Präsident sein."

McCain verdammte Folter als "Verletzung des Völkerrechts". Und mehr: Auf dem Spiel stehe die amerikanische Seele – "was die USA sind und sein wollen". Der Senator konnte auch ungezügelt in seinem Jähzorn sein. Einmal, bei einem Lunch, gingen ihm die Sticheleien eines französischen Politikers so auf die Nerven, dass er wütend aufsprang, um dem Mann an die Gurgel zu fahren. Glücklicherweise war die Tischplatte so breit, dass McCain das Ziel des Zorns nicht erreichen konnte. Nach dem Dessert gab er dem Mann einen freundlichen Schulterklopfer.

So viel Größe bringt Trump nicht auf. Am Montag flatterten überall in Washington die Flaggen auf halbmast – nur nicht über dem Weißen Haus. Erst am Nachmittag gab Trump dem hochschießenden Druck nach. Unwillig ließ er wissen, die Flagge über dem Regierungssitz werde ebenfalls gesenkt – bis zum Staatsakt. Nur wird Trump auf Wunsch von McCain nicht dabei sein, wenn sich die Großen des Landes, unter ihnen Bush und Obama, auf der Trauerfeier versammeln.

Warum nicht, erklärte ein postumes Statement in McCains Namen: "Wir mindern unsere Größe, wenn wir unseren Patriotismus mit Stammeskämpfen verwechseln, die überall in der Welt Hass, Ressentiment und Gewalt gesät haben." Eine solche Stimme wird Amerika so schnell nicht mehr hören.