Wann offenbart sich der wahre Kern eines Menschen? Sind es die Momente, in denen er die Kontrolle behält? Oder die, in denen er sie verliert? Der Tag, an dem Georg Mader die Kontrolle verliert, ist der 11. November 1991. Es ist der Tag, an dem er zu dem wird, der er heute ist. Mader, der in Wirklichkeit anders heißt, ist damals 26 Jahre alt, und es scheint ihm an nichts zu fehlen. Er ist verheiratet, seine Frau im siebten Monat schwanger, er studiert Deutsch und Russisch auf Lehramt. Sie haben Pläne. Und dennoch streift Mader an diesem Tag wie so oft durch das Wohngebiet, in dem er lebt, Bonn-Messdorf. Er trägt eine schwarze Lederjacke und braune Wildlederhandschuhe, in seiner Tasche stecken ein Springmesser mit zwölf Zentimeter langer Klinge, Handschellen und ein Nylonstrumpf seiner Ehefrau. Ziellos läuft er durch die Straßen. Bis er im erleuchteten Küchenfenster eines Einfamilienhauses eine Frau stehen sieht. Es ist 16.20 Uhr, es dämmert schon.