Günther Türk holt das glühende Stück Stahl aus dem Feuer, spannt es rasch in einen Schraubstock, holt mit dem Hammer weit aus und schlägt mehrmals fest darauf. Funken sprühen, eine Menschentraube sieht dem Schmied gebannt zu. Der bückt sich, betrachtet das Metallstück aus der Nähe, seufzt und legt es noch einmal ins Feuer. "Das braucht Zeit", sagt der 59-Jährige und lacht.

Zeit ist am Rande von Friesach in Kärnten reichlich vorhanden. Eine Burg soll hier entstehen, eine mittelalterliche Höhenburg, mit einem 22 Meter hohen Wohnturm, mit einer Kapelle, einem Herrenhaus und einem Wirtschaftsgebäude – gebaut ohne Maschinen, ohne moderne Technik, nur mit mittelalterlichen Handwerksmethoden. Die Baustelle, die auf den ersten Blick wirkt wie eine touristische Erlebniswelt, ist ein historisches Labor.

Experimentelle Archäologie nennt sich die Forschungsdisziplin, die versucht, durch authentische Methoden historischen Fragen auf den Grund zu gehen: Wie wurden römische Galeeren gebaut, konnte der Atlantik mit prähistorischen Schiffen überquert werden, wie sah Ötzis Schuhwerk aus, und wie wurden Burgen errichtet? Alles das simulieren Archäologen auf der ganzen Welt – sie bauen, stellen nach, arbeiten mit verschiedenen Materialien und wollen so besser verstehen, wie die Menschen in der Vergangenheit gelebt und gearbeitet haben.

In Friesach beginnt das Mittelalter hinter einem großen Holztor. Wer es öffnet, dem kommt gleich ein Ziegenbock entgegen. Im unteren Teil der Baustelle liegt das Handwerkerdorf, ein Steinmetz arbeitet hier, ein Zimmerer und der Schmied. Dass es eine Baustelle ist, würde man nicht vermuten. Denn es ist leise, nur vereinzelte Hammerschläge sind zu hören.

Oben am Hügel entsteht die Burg. Über kleine Serpentinen geht es hinauf. Die Fuhrwerkerin Cathi Bellwald geht mit dem Pferd Falbala den Weg immer wieder hinauf und hinab. 450 Kilo kann sie pro Fahrt nach oben bringen, acht bis zehn Touren schafft sie im Schnitt täglich. Wenn es aber so heiß ist wie heute, werden es ein paar weniger.

Thor Heyerdahl und seine Kon-Tiki machten die experimentelle Archäologie weltberühmt

Der Burgbau in Friesach wurde im Jahr 2008 initiiert und war ein Prestigeprojekt von Jörg Haider. Es sollte den Tourismus ankurbeln und sich durch die Einnahmen aus dem Tourismus quasi selbst finanzieren. Das stand zumindest in einer Machbarkeitsstudie, die dafür erstellt wurde. "Diese Studie ist das Papier, auf dem sie steht, nicht wert", sagt Gerald Krenn. Er ist seit sieben Jahren Projektleiter der Baustelle. "Damals ging man von 60.000 bis 100.000 Besuchern im Jahr aus. Im Winter ist hier aber geschlossen, wir haben maximal 150 Besuchstage im Jahr, täglich können 500 Personen durchgeführt werden, und die Führung dauert eineinhalb Stunden. Das geht sich also schon rein rechnerisch nicht aus."

Der Betrieb des Projekts, das von der Universität Klagenfurt wissenschaftlich begleitet wird, kostet eine Million Euro im Jahr. Die Besuchereintritte finanzieren nur einen Bruchteil davon. Die Baustelle ist mittlerweile aber auch ein Sozialprojekt: Rund die Hälfte der bis zu 35 Mitarbeiter sind Arbeitssuchende, die über ein Beschäftigungsprojekt des AMS vermittelt und mitfinanziert werden. Dazu kommen Mittel des Landes Kärnten und des Europäischen Sozialfonds. "Wir sind zu je einem Drittel ein wissenschaftliches, ein touristisches und ein Sozialprojekt", sagt Krenn.