Ich entferne Tattoos mit dem Laser. 80 Prozent meiner Kunden sind Frauen. Meistens sind sie entweder Mitte 30 und finden, dass ihr Jugendtattoo nicht mehr zu ihnen passt, oder sie sind Anfang 20, haben sich gerade irgendwas stechen lassen und können damit absolut nicht leben. Es geht beim Entfernen aber fast nie um das Motiv, sondern um die Verbindung, die der Kunde dazu hat. Der kleine Schmetterling auf der Schulter soll nicht weg, weil er hässlich ist, der Kunde sieht ihn ja nicht mal. Der muss weg, weil er aus den Flitterwochen mit dem Ex stammt.

Tatsächlich entferne ich am häufigsten Namen ehemaliger Partner. Und dann gibt’s die Klassiker: das Arschgeweih, die Sternchen auf dem Fuß. Aber die Motive sind mir nicht wichtig, das Lasern ist ein Handwerk. Für mich zählt: Wie viel Farbe ist in dem Tattoo, und kriegt man sie gut weg? Gelb zum Beispiel ist besonders hartnäckig. Die meisten denken, der Laser verbrenne die Haut. Stimmt aber nicht: Er schießt Lichtimpulse durch die Haut, die zerlegen die Tattoopigmente in Minipartikel, welche dann vom Körper über das Lymphsystem abtransportiert werden. Trotzdem tut es natürlich ein bisschen weh, wenn die Lichtstrahlen in die Tattoos eindringen. Deswegen wird die Hautstelle beim Lasern parallel mit einem Kühlschlauch betäubt.

Für die Kunden ist das Schlimmste, dass die Tattoos nicht von heute auf morgen weggehen. Die ersten Fragen sind immer: Wie oft muss ich kommen, und wie viel wird es insgesamt kosten? Die Antwort: zwischen zwei und 15 Sitzungen. Und nach jeder Sitzung muss vier bis sechs Wochen Pause gemacht werden. Wir berechnen 100 bis 350 Euro pro Sitzung, je nach Tattoogröße und -beschaffenheit. Das Entfernen ist am Ende immer teurer als das Stechen. Das Schwierigste für mich ist der Druck. Es gibt Kunden, die können mit ihrem Tattoo einfach nicht mehr leben. Ein Rechtschreibfehler im Schriftzug, ein Hakenkreuz auf dem Oberarm. Wenn die Behandlung erste Erfolge zeigt, lächeln sie endlich mal. Am Ende weinen manche vor Freude.

Inzwischen machen wir zehn Lasersitzungen am Tag, in den vergangenen zwei Jahren hatten wir 1500 Kunden. Ich bin mir sicher, dass mein Geschäft noch weiter wachsen wird. 20 Prozent aller Deutschen sind tätowiert. Das sind 16 Millionen Menschen. Die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Da wird noch eine Menge bereut werden.

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