Ein Kind schaut versunken aufs Smartphone, ein Erwachsener hantiert mit Holz und Zollstock. Plötzlich erwacht das Messinstrument zum Leben, zischt das Kind an wie eine Schlange und eröffnet ein fantastisches Spiel: Aus dem Zollstock wird ein Haus, ein Elefant, schließlich ein Segel für ein Boot, mit dem die beiden in See stechen. Vom Handy ist nichts mehr zu sehen. Dieses brasilianische Bilderbuch ohne Text entwickelt seine Kraft aus der reduzierten Optik. Ebenso reduziert ist leider auch die Botschaft: Das Digitale blockiert die Fantasie und verhindert die Begegnung zwischen Groß und Klein. Ein bisschen komplexer ist die Welt schon – auch für Vierjährige.

Bruna Barros: 2 Meter bis zum Meer. Edition Orient 2017; 48 S., 23,90 €; ab 4 Jahren

Ferien, Regen, Langeweile: Wie gut, dass es die Spielkonsole gibt. Nur leider sieht Mama es nicht gern, wenn das Kind den Tag verdaddelt, und schickt es hinaus in die nasse Welt. Das Kind rutscht aus, die Spielkonsole fällt ins Wasser. Und nun? Zum Beispiel das: Regen trinken, mit Vögeln sprechen, auf Bäume klettern. "Warum hatte ich das nie zuvor gemacht?", fragt sich das Kind. Zum Glück schreibt die Französin Beatrice Alemagna die Antwort nicht noch extra auf, die Botschaft ist dennoch klar: Der Taschencomputer hat Schuld. Man hätte dieser leuchtenden Geschichte das gewünscht, was die Bilder aufs Eindrucksvollste zeigen: Zwischentöne.

Beatrice Alemagna: Ein großer Tag, an dem fast nichts passierte. Aus dem Französischen von Anja Kootz Beltz & Gelberg 2018; 46 S., 14,95 €; ab 5 Jahren

Großstadt-Tristesse aus Kleinkind-Sicht: Aus großen Augen hinter noch größerer Brille blickt ein Mädchen missmutig nach oben. Helm auf dem Kopf, Dreirad unterm Po, darf es wenige Meter in einer ummauerten Welt erkunden. Solange es sich an die eine Regel hält: Nicht um die Ecke fahren, raus aus dem Blickfeld der Mutter. Weil die aber vom Handy absorbiert ist, tritt das Kind in die Pedale und erlebt ein im Wortsinne stürmisches Abenteuer. Eine Ermahnung an Eltern, ihren Kindern mehr Freiräume zu lassen – man hätte die nur auch ohne plattes Handy-Bashing verstanden.

Dirk Steinhöfel: Nicht um die Ecke. Sauerländer 2018; 48 S., 14,99 €; ab 4 Jahren

Frau Asperilla schaut ratlos auf dieses Ding in ihren Händen: Sie schüttelt, wischt, lauscht, sucht den Ausstellknopf. Es braucht ein Kind, das ihr geduldig erklärt, dass dieses Buch geblättert werden muss. Wenn die Kleinen den Großen überlegen sind, kann das eine witzige Verkehrung sein. In diesem Fall wirkt es arg schief: Wenn der Erwachsene kein Buch mehr erkennt, wer sollte es dem Kind beigebracht haben? Richtig indes ist, dass Kinder sehr viel besser darin sind, neue und alte Medien parallel zu nutzen, als die Erwachsenen. Es braucht halt gute Geschichten!

Lorenz Pauli/Miriam Zedelius (Ill.): Oje, ein Buch! Atlantis Verlag 2018; 32 S., 14,95 €; ab 4 Jahren