Von jeher sollte Konsum nicht nur die elementaren Bedürfnisse des Menschen erfüllen. Wie etwa, sich eine Dosensuppe zu kaufen, um nicht hungern zu müssen. Konsum sollte immer mehr sein als das. Er sollte eine Leere füllen. Die Leere im Schuhregal, die Leere im Kühlschrank oder die Leere im Innern.

Das ging gut, solange diese Leere tatsächlich gefüllt werden konnte. Nachdem aber alle Leeren gefüllt waren, und zwar randvoll, sodass nirgendwo Platz mehr war, um noch etwas reinzudrücken, musste sich die Industrie etwas Neues ausdenken. Also beschloss sie, den Leuten künftig nicht mehr mehr von etwas, sondern weniger zu verkaufen. Weniger Kalorien in der Limonade, nur noch Basics bei Klamotten und vegane Gummibärchen ohne tierische Bestandteile. Und irgendwann erfand ein Schlauberger das Diätsalz.

Verglichen mit herkömmlichem Salz enthält Diätsalz weniger klassisches Salz, kostet dafür aber mehr Geld. Leser Tim H. wies mich neulich darauf hin. Im Online-Handel und in Reformhäusern wird es auch als Blutdrucksalz verkauft, weil zu viel Salzkonsum angeblich gesundheitlich problematisch ist. Dagegen soll Diätsalz helfen, bei dem ein Teil des gewöhnlichen Kochsalzes durch andere Stoffe (meist ebenfalls Salze, nur andere) ersetzt wurde. Damit man salzen kann wie bisher, nur dass weniger herkömmliches Salz in der Suppe landet. Ein unangenehmer und in Fachforen ausgiebig diskutierter Nebeneffekt ist aber, dass die typischerweise verwendeten Ersatzstoffe dem Diätsalz eine leicht metallische Note verleihen, weswegen es geschmacklich mit herkömmlichem Salz nicht konkurrieren könne. Man braucht es also nicht.

Auch nicht, weil es eine andere Möglichkeit der salzarmen Ernährung gibt, die sich jedem erschließt, der nicht an den Folgen intellektueller Langzeitarbeitslosigkeit leidet: Wer weniger Salz zu sich nehmen möchte, kann einfach weniger Salz zu sich nehmen.