Darf man mit fremden Helden spielen? © Oriana Fenwick für DIE ZEIT

Wir hatten bereits diverse Single Malts getrunken, als wir irgendwann in der Edinburgher Nacht vor dem Denkmal standen, mein Kumpel und ich. Er spielt Schlagzeug in einer ziemlich bekannten schottischen Band, wir hatten lange über Musik geredet und waren irgendwann bei Schottlands möglicher Unabhängigkeit gelandet. Und jetzt stand da dieser riesige Duke of Wellington vor uns, und wir hatten plötzlich die bekloppte Idee, da hochzuklettern. Als wir oben waren, zerrten wir an den Hufen des Gauls und riefen Aufmüpfiges wie "Braveheart forever!", "Free Scotland!" und anderes krudes Zeugs. Angetrunkene Männer machen so was. Angetrunkene Männer sehen auch flackernde Blaulichter zu spät. Und landen deswegen im Gefängnis.

Um zur Ausgangsfrage zu kommen: Nein! Auf keinen Fall! In vielen Ländern ist man da sehr, sehr empfindlich – dem Vereinigten Königreich verbundene Schotten sind bei so etwas nicht die Einzigen. Oft muss man die Helden noch nicht einmal anfassen, um Ärger zu bekommen. In Vietnam habe ich mal erlebt, wie ein Trupp Soldaten einen Mann abgeführt hat, der zwei Schritte zu nah an den Schneewittchensarg mit dem einbalsamierten Ho Chi Minh getreten ist (vermutlich wollte er ein Foto schießen). In Thailand wiederum versteht man absolut keinen Spaß bei allem, was mit dem Königshaus zu tun hat – da kann es schon Ärger geben, wenn man einen vom Winde verwehten Geldschein mit dem Fuß festhält, dann tritt man seiner Majestät nämlich ins Gesicht, weil das auf jeder Baht-Note abgebildet ist. Neulich hat der Kommunikationsminister auch davor gewarnt, königskritische Inhalte auf Facebook zu liken: Für so was kann man ins Gefängnis kommen. Nebenan in Kambodscha sollte man sich ebenfalls nur sehr zurückhaltend über die königliche Familie äußern, rät das Auswärtige Amt. Ich rate Ihnen: Machen Sie es besser überhaupt nicht.

In vielen Ländern sind nicht nur lebende Machthaber und tote Helden tabu, sondern auch Nationalheiligtümer und staatliche Symbole. In den USA zum Beispiel darf man keinen Weißkopfseeadler abschießen. Gut, das passiert im Urlaub auch eher selten, aber falls man den Wappenvogel doch erwischt: bis zu 250.000 Dollar Strafe plus ein Jahr Haft. In Ungarn wird das Beleidigen der Nationalhymne mit Gefängnis bestraft – falls man auf die Idee kommt, die getragene Melodie von Ferenc Erkel als langweilig zu bezeichnen. Und Sri Lanka verbittet sich anzügliche Fotos mit den barbusigen Freskenmädchen von Sigiriya und jeder Buddhastatue der Insel. Ein paar junge Franzosen fotografierten sich neulich beim Buddha-Küssen und wurden zu sechs Monaten Haft verurteilt.

All das würde ich natürlich niemals tun. Ich hab bloß am Huf von Wellingtons Pferd gezuppelt. Deswegen gab es am Ende auch keine Strafe. Und weil sie auf der Wache meinen Kumpel erkannten und Autogramme wollten. Wir durften jedenfalls gehen. Und noch ein paar Single Malts trinken.