Wenn es um ihre eigene Stadt geht, sprechen Hamburger Politiker gern in Superlativen. Die Sozialsenatorin und SPD-Chefin Melanie Leonhard verkündete vor wenigen Tagen: "Wir wollen Hamburg zur familienfreundlichsten Stadt in Deutschland machen." Ja, zur allerbesten Stadt in Deutschland! Wenn das nicht super klingt.

Wer diese Aussage ernst nimmt und sich fragt, wie kinderfreundlich Hamburg tatsächlich ist, kommt leider zu einer weniger euphorischen Antwort: Es gibt noch einiges zu verbessern. Obermega viel, wie es die Kinder sagen würden, denn die lieben Superlative ebenfalls.

Man kann mit Kindern in Hamburg durchaus ein tolles Leben führen, es gibt nur ein paar einschränkende Wenns: wenn man genügend Geld hat, wenn man im richtigen Stadtteil wohnt – und wenn es nicht zu viele Kinder sind. Sonst wird es schnell eng, im Wortsinn.

Wer drei Kinder hat und jedem den Luxus eines Kinderzimmers bieten will (was spätestens in der Pubertät eine Frage des Familienfriedens ist), braucht eine Fünfzimmerwohnung. Auf einem großen Immobilienportal werden aktuell 1162 Mietwohnungen in Hamburg angeboten, das klingt eigentlich entspannt. Beschränkt man die Suche auf "5 Zimmer und mehr", sind es nur noch 51 Angebote. Begrenzt man die Kaltmiete auf "bis 2000 Euro", bleiben gerade noch 21 Angebote. Da wird schon was dabei sein. "Charmante, großzügige Altbauwohnung in grüner Lage" von Rönneburg, klingt doch prima. Bis man liest: "Die Wohnung ist für Freiberufler oder auch eine Berufstätigen-WG geeignet. Die Wohnung wird nicht an Familien mit Kindern unter 14 Jahren vermietet."

Da war eine Maklerin ehrlich oder unerfahren. Normalerweise werden große Familien in solchen Fällen stillschweigend aussortiert, es gibt ja genügend ruhigere Mieter zur Auswahl. Deshalb haben viele Familien die angeblich bald familienfreundlichste Stadt Deutschlands inzwischen verlassen – weil es in Hamburg an Kinderzimmern mangelt. Auch in Neubauten ist meist bei drei bis vier Räumen Schluss. Einen preisen die Verkäufer oft als Gästezimmer an. Kinder sind nicht eingeplant.

Wer eine bezahlbare Wohnung gefunden hat, macht auch gerne mal einen Ausflug mit der ganzen Bande. Viel Spaß. Der HVV hat soeben angekündigt, die Preise der Kinderfahrkarten um gut acht Prozent erhöhen zu wollen, stärker als bei den Erwachsenen, aber jeder weiß ja, dass Kinder nicht umsonst sind. Immerhin bekommt man beim HVV was fürs Geld: Allmählich werden Aufzüge in die U-Bahn-Stationen eingebaut – und meistens werden die Aufzüge auch innerhalb weniger Wochen repariert, wenn sie mal wieder ausfallen.