Dieser Artikel stammt aus der ZEIT-Doctor-Beilage für Menschen mit Multipler Sklerose.

Bessere Zeiten

Menschen mit MS leben jetzt länger

Die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose ist zwar noch immer nicht heilbar, aber die Lebenserwartung der Betroffenen ist deutlich gestiegen, sogar noch stärker als in der Gesamtbevölkerung. Einer Studie aus Norwegen zufolge leben Patienten nach dem Beginn der Krankheit im Schnitt über 40 Jahre, mehr als doppelt so lange wie noch in den Sechzigerjahren. Forscher führen das unter anderem auf neue Medikamente zurück, die die Therapie stark verbessert haben. Weil man sehr vielen Menschen die Krankheit nicht ansieht, prägen diejenigen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, das Bild in der Öffentlichkeit. Tatsächlich hat aber ein Drittel der Erkrankten lebenslang kaum Einschränkungen wegen der MS.

"Schon dich" war gestern

Bewegung hilft überraschend gut

Früher rieten Ärzte ihren Patienten, sich zu schonen. Das schien plausibel, denn MS-Kranke fühlen sich oft schwach und müde. Doch heute ist klar: Wer sich regelmäßig zu moderatem Sport aufrafft, wird fitter und zufriedener, kann sich oft wieder sicherer und flüssiger bewegen. Aktive Patienten leiden weniger unter Fatigue sowie unter Seh-, Konzentrations- und Gleichgewichtsstörungen, haben weniger Spastiken in den Beinen und seltener depressive Verstimmungen. Sport ist zudem unbedenklich: Er führt, anders als oft befürchtet, nicht zu MS-Schüben. Die Sportart ist egal, solange sie Spaß macht und man dranbleibt.

Zuflucht für die Seele

Online-Therapie hilft in traurigen Phasen

Auch die Seele leidet oft, wenn der Alltag mit MS mühsamer wird. Inzwischen wissen Forscher, dass die Krankheit zudem Hirnareale angreift, die Gefühle regulieren, was zusätzlich schwermütig machen kann. Gegen leichte Depressionen lässt sich mit Programmen wie "Deprexis" ankommen – online von zu Hause aus.

Ein Netz, das auffängt

Heute ist man mit der Krankheit weniger allein

Wer an Multipler Sklerose erkrankt, findet bundesweit rund 1000 Selbsthilfegruppen, die Beistand leisten. Organisiert werden sie meist über die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft. Der Verband bietet zudem Fortbildungen in der Pflege von MS-Patienten an und bildet Pflegekräfte zu "MS-Schwestern" weiter, die Erkrankte bei komplexen Fragen beraten können. Außerdem gibt es heute zahlreiche stationäre Zentren für Multiple Sklerose und viele spezialisierte und zertifizierte Schwerpunktpraxen.

Gesundheit aus der Küche

Gute Ernährung bei MS ist nicht kompliziert

Was soll ich essen? Können bestimmte Lebensmittel die MS sogar lindern? Wer nach diesen Fragen googelt, findet viele komplizierte Regeln. Doch deren Nutzen ist meist nur bei Mäusen belegt, und Forscher wissen: Mäuse erzählen oft Märchen. So bietet etwa die viel gepriesene "Paleo-Diät" bisher keine erwiesenen Vorteile, und die Einnahme von Vitamin D ist nur bei einem messbaren Mangel sinnvoll. Auf der sicheren Seite sind MS-Patienten, wenn sie sich grundsätzlich gesund ernähren – denn das macht wirklich einen Unterschied: Es wirkt antientzündlich und entlastet den Körper. Faustregeln: drei Viertel pflanzliche Kost, ergänzt durch Fleisch und Milch in fettarmer Variante. Wurst, Fertiggerichte, Kekse eher selten. Großzügig dagegen Raps-, Soja- und Walnussöl, und zweimal pro Woche fetten Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele.