Echt jetzt? Aber was ist schon echt. Ein Wort, das in der Sprache der Baukunst wenig bedeutet, kaum existiert. Einige der berühmtesten Gebäude der Welt sind pure Kopien, wenn man sie denn so nennen mag: Pekings Tor des Himmlischen Friedens zum Beispiel, 1969 abgerissen und in Beton nachgegossen. Oder der Campanile von Venedig, 1902 eingestürzt und gleich neu gebaut, jetzt mit Fahrstuhl. Oder der Kinkakuji, Kyotos Goldener Tempel, 1950 niedergebrannt und Balken für Balken wiedererrichtet. Oder drei der bekanntesten Bauwerke Deutschlands: der Kölner Dom, Hamburgs Michel, Schloss Neuschwanstein. Wie echt, wie original und ursprünglich sind sie? Der Dom mehr eine Fantasie des 19. Jahrhunderts als ein Monument des Mittelalters. Der barocke Michel nach der völligen Zerstörung durch einen Brand 1906 komplett rekonstruiert. Und Neuschwanstein natürlich nicht hohe Ritterzeit wie prätendiert, sondern höchster Historismus. Aber selbst der Dom von Siena, der Dom von Florenz wurden erst im 19. Jahrhundert "vollendet". Rein falsch sozusagen, alt, aber neu, teils, teils und so weiter. Architektur ist eine Kunst der sexuellen Zwischenstufen, Freunde rassischer Reinheit muss sie immer wieder bitterlich enttäuschen.