Wie der Kunst das gelingen kann? Bestimmt nicht so, wie es die Nationalsozialisten versuchen, das macht der Film überdeutlich. Sie wollen, dass Kunst wieder von Können kommt, und treiben ihr jeden Eigenwillen aus. Die DDR macht es nicht besser, auch das wird länglich vorgeführt: Der Künstler Richter, der hier Kurt Barnert heißt, soll dem Volke dienen. Das halte er nicht aus, sagt Barnert, das sei "reine Dekoration", es müsse doch "um die Wahrheit" gehen. Später dann, in der freien BRD, lernt er zunächst, sich als Meister der originellen Idee zu bewähren, tapst barfuß durch die Farbe, schlitzt Leinwände auf, malt Kringel – packt aber am Ende alles in einen Container und verbrennt den Plunder. Es muss doch mehr geben als dieses Besoffensein von sich selbst.

Erleuchtet wird Barnert schließlich durch seinen Professor in Düsseldorf, einen Menschen mit Hut und Anglerweste, Joseph Beuys, der natürlich im Film nicht Beuys heißen darf. Die Künstler müssen Befreier sein, Priester, Revolutionäre, ruft der Professor den Studenten zu und verlangt von ihnen "Brandopfer". Für den Regisseur wird dieser Beuys mit seinem Mystizismus zum Gewährsmann. Keine andere Art von Kunst lässt der Film gelten, auch nicht die der bürgerlichen Schwiegereltern des Künstlers, die ihr verlogenes Leben mit Gemälden auspolstern und meinen, in Italien von stiller Einfalt und Größe träumen zu dürfen. Nein, eine Kunst der Wahrheit, da ist der Film unmissverständlich, kann nur entstehen, wenn der Künstler von der Geschichte verwundet wird. Davon erzählt Beuys, und der Film illustriert es mit schwelgenden Bildern: wie der Künstler als Soldat über der Krim abgeschossen wurde, wie urtümliche Bauern den Schwerverletzten aufnahmen, die ihn, obwohl er sie hatte töten sollen, in einer Jurte pflegten, ihn in Filz wickelten, ihn salbten mit Fett. Er musste erst erfahren, wie die Opfer ihm seine Taten vergeben, um wahrhaftig empfinden zu können. Seinem Studenten, dem jungen Barnert, fällt das tief ins Künstlerherz.

Dennoch starrt Barnert wochenlang auf eine weiße Leinwand, ohne dass etwas passiert. Dann, in einem Lokal, greift er sich eine ausgelesene Zeitung, schneidet das Bild der Titelseite aus – ein Foto jenes Mannes, der das Euthanasieprogramm der Nazis befehligte – und beginnt es nachzumalen, akribisch und mit feinen Schlieren überzogen. Bald legt Barnert auch die Passbilder seines Schwiegervaters unter den Projektor und malt sie ebenso ab wie ein Foto aus Kindertagen, das seine Tante und ihn selbst zeigt. Schließlich, ohne sein Zutun und ohne dass er es selber recht begreift, enthüllt sich malend die dunkle Wahrheit. Es ist tatsächlich ein Werk ohne Autor, ganz wie es der Titel des Films verspricht.

Das Werk setzt sich selbst ins Werk: Wieder hört man ein Rauschen, auch wenn es jetzt nicht die Eiche ist, sondern ein Baum vor dem Atelierfenster. Ist es der Wind der Inspiration? Jedenfalls schlägt ein Fensterladen zu, und da sieht Barnert, wie das projizierte Gesicht des verbrecherischen Arztes auf jenem gemalten Kindheitsbild aufscheint, das ihn und seine Tante darstellt. Links das Böse, rechts das Gute und in der Mitte das Kind, das beide verbindet. Ein mystisches Werk: Erlösung als Erkenntnis ohne Wissen.

Der im Zusammenspiel von Natur (Wind) und Technik (Projektor) aufleuchtenden Botschaft ist nur schwer zu entkommen: Die Frau gebiert Leben, wo es eben noch hieß, sie sei unfruchtbar. Dem Mann widerfährt eine Kunst der Wahrheit, von der er selbst nichts ahnte. Der Mensch ist nicht Lenker seiner Geschicke. Wer aber lenkt dann? Einen Gott gibt es in diesem Film nicht.

Der Film versucht es mit einem Gleichnis zu erklären, das Barnert sogar zweimal vorträgt, damit es auch jeder kapiert. Im Kern handelt es von dem Gefühl, das eigene Leben und überhaupt die Geschichte hätten weder Ziel noch Grund. Eine zufällige Folge von sechs Zahlen ergebe ja auch wirklich keinerlei Sinn, erklärt der Künstler. Doch handele es sich um die Gewinnziffern beim Lotto, bekomme der Zufall etwas Zwingendes, ja sogar "Sinn, Wert, fast Schönheit".

Für den Künstler – und für die deutsche Geschichte, die ja seine Geschichte ist – heißt das: Am Ende geht es sich aus. Am Ende hat er sechs Richtige, sprich Erfolg. Und alles, was zufällig wirkte, alle Schrecken und Fährnisse, selbst der grausame Tod der Tante, erscheint im Rückblick als etwas Zwingendes, als stecke ein höherer Plan dahinter. "Wir sind Alchemisten, die das Blei der Traumata in das Gold der Kunst verwandeln können", sagt Henckel von Donnersmarck in einem Interview. Und zu diesem Blei gehört in seinem Film unweigerlich auch der systematische Massenmord.

War also auch der, war das 20. Jahrhundert ein Werk ohne Autor? Für Fragen der Schuld interessiert sich der Film nur peripher. Am Ende zeigt er den Künstler, mit sich selbst im Reinen, glücklich erfüllt von den Mächten, die in ihm wirken. Er dreht sich um die eigene Achse und lacht.

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