Markus Braun hätte gern einen Tesla. Regelmäßig schaut er nach, wie weit die neuesten Elektroautos der Marke fahren können, ohne dass man sie aufladen muss. Sobald sie die rund 430 Kilometer zwischen München und Wien ohne Unterbrechung schaffen, will Braun sich einen kaufen, sagt er. Denn Braun, der Mitgründer und Chef von Wirecard, pendelt nicht nur regelmäßig zwischen München, der Heimat von Wirecard, und Wien, seiner Heimat. Er bewundert Elon Musk, den Gründer und Chef von Tesla. "Er hat es geschafft, das Elektroauto in das Mindset aller großen Automobilkonzerne zu bringen", sagt er.

Dabei ist Braun in seinem Auftreten das Gegenteil des großen Vermarkters Elon Musk. Das erkennt man schon daran, dass er Wörter wie "Mindset" verwendet. Braun hält gern Abstand zu seinem Gegenüber, spricht sehr ruhig, knapp und am liebsten über das Geschäft. Fotografiert zu werden ist ihm richtiggehend körperlich unangenehm. Es ist so wenig über sein Privatleben bekannt, dass mancher Journalist schon behauptet hat, er habe keines. Das ist natürlich nicht wahr. Er ist seit zehn Jahren verheiratet, hat ein Kind und geht zum Beispiel gern in die Oper. Aber wenn man ihn in Aschheim nahe München besucht, weiß man, woher die Behauptung kommt. Braun, heute 48, erinnert ein wenig an den Techie, der in der 9. Klasse in der Informatik-AG dem Lehrer freundlich-höflich zeigte, wie das richtig geht mit dem Programmieren. Das war der, dem viele damals auch kein Privatleben zutrauten (bis er mit seiner ersten Freundin auftauchte).

Braun spricht nicht gern über Macht und die Faszination, die Wirecard auf andere ausübt

Doch Brauns Art passt zu seinem Geschäft. Denn während Elon Musks Erfolg auf seinem Marketingtalent beruht – er muss seine Autos schließlich auch verkaufen –, agiert Wirecard im Hintergrund der großen Marken, wickelt für sie Zahlungen im Internet ab. Bis vor Kurzem war es deshalb selbst vielen Wirtschaftsexperten kein Begriff. Als bekannt wurde, dass Wirecard wahrscheinlich in den Dax aufsteigt und dafür wohl die Commerzbank absteigt, hieß es: Wer bitte ist Wirecard? Wie kann ein Unternehmen mit rund 5000 Mitarbeitern die Commerzbank mit 49.000 verdrängen? Und wieso ist es an der Börse wertvoller als die Deutsche Bank?

Hinzu kommen Geschichten, die seit Jahren um Wirecard kursieren. Geschichten aus der Anfangszeit, als Wirecard mit Firmen aus der Porno- und Glücksspielbranche arbeitete. Geschichten von angeblicher Bilanzmanipulation. Dazu Fragen zum Wert einzelner Beteiligungen sowie die simple Frage, wie der Umsatz von Wirecard so hoch sein kann.

"Ich habe kein Interesse an persönlicher Berühmtheit"
Markus Braun, Gründer und Chef von Wirecard

Dem Unternehmen haftet auch heute noch etwas Halbseidenes an. Für einen Dax-Kandidaten ist das ungewöhnlich. Man könnte auch sagen: Wirecard könnte die seltsamste Firma im Dax werden.

Und dann ist da dieser Markus Braun, der Chef. Er machte Wirecard nicht viel transparenter, denn über ihn wusste man bislang noch weniger als über seine Firma. Dass er für dieses Porträt überhaupt ein paar Dinge von sich preisgegeben hat, ist ungewöhnlich und hat nur mit dem bevorstehenden Aufstieg in den Dax zu tun. Wirecard rückt damit in den Fokus der Öffentlichkeit. Braun kann sich nicht länger verstecken. Schließlich ist er gleichzeitig Mitgründer, größter Eigentümer, Vorstandsvorsitzender und Technikvorstand. Man kann Wirecard ohne ihn nicht verstehen, denn er ist quasi Wirecard und besitzt mit all seinen Funktionen eine im Deutschen Aktienindex selten gesehene Machtfülle. Man stelle sich nur vor, der Deutsche-Bank-Chef wäre gleichzeitig ihr größter Anteilseigner und hätte die Bank auch noch mitgegründet. Brauns Rolle ähnelt am ehesten der von Dietmar Hopp, dem Gründer des Softwarekonzerns SAP, als das Unternehmen 1995 in den Dax aufstieg. Damals war Hopp auch Mitinhaber und Chef in einem.

Sitzt man Braun dann gegenüber, erlebt man einen Mann, der sich eher klein macht. "Ich habe kein Interesse an persönlicher Berühmtheit", sagt er und gibt gar vor, sich als Person langweilig zu finden.