Ein Montagmorgen in einer Bäckereifiliale in der Leipziger Innenstadt. Auf den Straßen hupen die Eiligen, die noch pünktlich am Arbeitsplatz erscheinen wollen, andere Verkehrsteilnehmer nervös an. Ein paar Männer im Blaumann frühstücken stoisch mit ergebenem Blick gegen das "Gleich müssen wir los"-Gefühl an. Wespen haben bereits ihre Arbeitswoche begonnen und kreisen angriffslustig über der Kuchenauslage. Eine Frau versucht sie mit der Tageszeitung fortzuwedeln, ich sehe auf einer der Seiten das Wort "Rentenpaket" durch die Luft schwirren. Die Wespen ficht die Rentendiskussion nicht an. Ein junger, hochaufgeschossener, leicht schlaksiger Mann räumt indes auf dem Freisitz den Geschirrwagen aus. Er wirkt dabei linkisch, vielleicht ein Ferienjob, vielleicht sein erster Tag.

Hinter ihm erscheinen zwei weißhaarige Männer mit Gehstock, Gürteltasche und atmungsaktiver Weste auf der Bildfläche, offensichtlich sehen sie sich durch den jungen Bediensteten von ihrem Weg zurück zur Fußgängerzone abgeschnitten. Stehen da und gucken vorwurfsvoll auf den Rücken des seelenruhig weiterarbeitenden Mannes. Irgendwann stößt einer der beiden mit brüchiger Stimme ein "Heeeeh, Kumpel!" aus. Es klingt unschön. Irgendwie kommandohaft.

Der so angeherrschte junge Mann hört und merkt nichts. Vielleicht kann er sich auch nur nicht vorstellen, dass er am frühen Morgen auf offener Straße von Fremden so rüde angekumpelt wird. Oder er denkt schlichtweg an etwas ganz anderes.

Der Rentner insistiert: "Heeehhhh Kumpel!!" Der Ton wird schärfer, allein der junge Mann vernimmt noch immer nichts. Da hebt der andere seinen Gehstock und stößt dem jungen Mann damit in die Seite. Verständnislose Blicke. Der Weg ist jetzt frei, die Ordnung wiederhergestellt.

Wirklich?

Ist es in Ordnung, als maulender Rentner herumzumarodieren und jungen Menschen Respekt abzufordern, den sie ihnen selbst vorenthalten? Ich glaube nicht. Vor allem wenn man in Betracht zieht, dass wir doch im Grunde eine glückliche Rentnergeneration unser eigen nennen – eine Rentnergeneration, die besonders in finanzieller Hinsicht umso glücklicher zu nennen ist, je mehr man den Blick auf die Zukunft richtet. Mit anderen Worten: Der Kontostand kann für die schlechte Laune vieler älterer Menschen hierzulande kaum verantwortlich sein.