Babys duften gut. Das ist eine der Binsenweisheiten, die jedes junge Elternpaar kennt und die in Familienzeitschriften regelmäßig ausgebreitet werden. Stets mit der Frage: warum eigentlich? Die Frage ist gut, die möglichen Antworten sind zahlreich. Um den Duft von Neugeborenen zu erklären, kann man auf wissenschaftliche Studien zurückgreifen oder auf hauspsychologische Zusammenreimungen. Doch keine Erklärung ist so dreist wie die der Schönheitsindustrie: Wenn das Baby toll duftet, dann liegt es am Parfum.

Nachdem sich Parfumhersteller von Erwachsenen über Teenager bis zu Kindern heruntergearbeitet haben, knöpfen sie sich nun die letzte nicht erreichte Zielgruppe vor. So wie die Firma Jacadi, die "Baby Duftwasser" zu 100 Milliliter für 40 Euro verkauft und dessen "unwiderstehlich frühlingshaften Duft von Freesien, Bergamotte, Jasmin und Orangenblüten" anpreist. Natürlich ist das nur die Unisex-Variante. Etwas mehr kostet der Duft für Jungs, der durch eine Kopfnote "aus Bergamotte und Zitrone" besteche und eine Herznote "aus Tee, Salbei, Rhabarber mit Ambre und Tonkabohnen". Der Mädchenduft besteche durch seine "florale Komposition mit Bergamotte, Pampelmuse" und "einer Herznote aus Freesia, Orangenblüten und Maiglöckchen". Ausgeschlossen werden kann, dass sich Jacadi im Ton vergriffen hat und eigentlich Erwachsene ansprechen wollte, die gerne "Hey, Baby!" oder so sagen. Das geht aus den Abbildungen und Beschreibungen des Online-Shops der Firma unmissverständlich hervor.

Es ist alles sehr traurig. Als neugeborener Mensch muss man erst einmal kapieren, dass man überhaupt da ist. Und dann gehört ein Sprühstoß aus dem Zerstäuber zu den ersten frühkindlichen Erfahrungen. Klar, dass man schnell die Nase voll hat von der Welt. Düfte mögen ja über Kopf- und Herznoten beschrieben werden. Aber wer sich so ein Zeug ausdenkt, hat weder Herz noch Verstand.