"Christliche Schulen leisten seit Jahrzehnten, eigentlich seit Jahrhunderten eine wichtige Aufgabe für eine vielfältige Bildungslandschaft in Deutschland. Ich habe als Protestant am jesuitischen Aloisiuskolleg in Bonn Abitur gemacht und dort selbst erlebt, dass es dem Orden in der Schulzeit nicht nur um Wissensvermittlung, sondern um Persönlichkeitsbildung ging. Dazu gehörte eine Glaubensvermittlung, die auf die Bedürfnisse junger Menschen einging und die zwar geistig fordernd, aber nicht dogmatisch überfrachtet war. Diese Selbstverständlichkeit des gelebten Glaubens in christlichen Schulen ist für junge Menschen ein Angebot, das sie sich zum Vorbild nehmen können, aber nicht müssen. Ein solches Angebot sollte in ganz Deutschland vorhanden sein.

Die Schließung von Schulen ist immer schmerzhaft – für Aktive und auch Altschüler. Wir sollten es aber nicht beim bloßen Bedauern bewenden lassen, sondern den Augenblick nutzen und eine Debatte darüber führen, wie eine Schullandschaft aussehen muss, in der so viele Menschen wie möglich sich mit ihren unterschiedlichen Wünschen und Bedürfnissen wiederfinden. Gerade die Kirchen müssen sich in einer solchen Debatte vernehmbar zu Wort melden, denn sie vertreten noch immer viele Millionen Gläubige mit ihren Anliegen."

Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff (52) war Spitzenkandidat seiner Partei für die Europawahl 2014 und wurde danach Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Seit 2017 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages.