Das ist ja ein schöner Äpfel-Birnen-Vergleich! Schon die Sicherheit von Verkehrsmitteln untereinander zu vergleichen ist nicht leicht (Stimmt’s?, ZEIT Nr. 18/15). Je nachdem, ob man die Personenkilometer betrachtet oder die Wahrscheinlichkeit, bei der nächsten Reise zu verunglücken, kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen. Aber viele Fallschirmspringer behaupten, ihr Sport sei sicherer, als Motorrad zu fahren. Ergibt so etwas überhaupt Sinn?

Um solche eigentlich schwer zu vergleichenden Risiken doch miteinander in Beziehung setzen zu können, ist die Einheit Mikromort erfunden worden. Ein Mikromort ist ein Todesrisiko von eins zu einer Million. Das Leben an sich ist mit 34 Mikromort pro Tag behaftet (im Schnitt, natürlich ist die Zahl für alte und schwer kranke Menschen höher). Mit jeder gefährlichen Tätigkeit packen wir noch einige dieser Einheiten obendrauf. Ein Mikromort entspricht zum Beispiel laut Wikipedia 1,4 Zigaretten, einem halben Liter Wein oder 40 Esslöffeln Erdnussbutter (nicht wegen der Kalorien, sondern aufgrund des Leberkrebsrisikos durch Aflatoxin in den Erdnüssen).

Und tatsächlich ist das Fallschirmspringen ein recht sicheres Hobby. In einem typischen Jahr kommen in Deutschland bei 300.000 Sprüngen weniger als zehn Menschen ums Leben, der Deutsche Fallschirmsportverband führt darüber akribisch Buch. Weil die Todesfälle so selten sind, habe ich die Zahlen aus 16 Jahren (1996 bis 2011) addiert und bin auf einen Wert von knapp 19 Mikromort für einen einzelnen Fallschirmsprung gekommen. Das heißt: Wer an einem normalen Tag mit 34 Mikromort nicht daheim bleibt, sondern zusätzlich einen Sprung absolviert, steigert sein Todesrisiko etwa auf das Anderthalbfache.*

Nun zum Motorradfahren: Da wächst das Todesrisiko natürlich mit der zurückgelegten Strecke. Laut einem Artikel der Londoner Times alle zehn Kilometer um ein Mikromort. Also entsprechen 190 Kilometer auf dem Motorrad etwa einem Fallschirmsprung.

Was ist nun gefährlicher? Es kommt natürlich darauf an, wie häufig man sein Hobby praktiziert. Der durchschnittliche Fallschirmspringer kommt auf etwa 30 Sprünge pro Jahr. Wer im selben Zeitraum mehr als 6000 Kilometer Motorrad fährt, der lebt damit gefährlicher.

*Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war von einer Risikosteigerung "um" Anderthalbfache die Rede. Tatsächlich muss es "auf" das Anderhalbfache heißen. Diesen Fehler haben wir korrigiert und bitten, ihn zu entschuldigen.

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