Für ein Nuklearprogramm braucht man, grob gesagt, eine effektive Urananreicherung, einen Zünder, der die Kettenreaktion auslöst, sowie die Implementierung in eine Rakete, die die Bombe später zu ihrem Ziel trägt. Die Dokumente, die nun vorliegen, erlauben einen Einblick, wie systematisch die Iraner zu all diesen Komplexen geforscht haben. Nach Angaben der Israelis sind die erbeuteten technischen Zeichnungen und Pläne so ausgefeilt, dass sie als minutiöse Anleitung zum Bau der Bombe dienen können.

Zu den interessantesten Funden zählen Fotos und Dokumente zu einer bislang unbekannten Sprengkammer auf dem Militärstützpunkt Parchin, etwa 30 Kilometer südöstlich von Teheran gelegen. Der Stützpunkt ist der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, die im Iran seit vielen Jahren Inspektionen durchführt, seit Langem bekannt – aber wann auch immer die internationalen Experten vor Ort auftauchten, wirkte das Gelände überraschend aufgeräumt. Fotos zeigen nun, dass die Iraner dort eine spezielle Sprengkammer errichtet hatten, die aussah wie ein besonders gut isolierter Wassertank und offenbar dazu diente, den Zündmechanismus der Bombe zu erproben – und die immer dann demontiert wurde, wenn die IAEA-Inspektoren ihren Besuch ankündigten.

Den erbeuteten Unterlagen zufolge testeten die Iraner in dieser Sprengkammer im Februar 2002 einen Sprengsatz, der dafür gedacht war, die Kettenreaktion im nuklearen Kern der Bombe auszulösen. Der Zünder, der auf iranischen Fotos zu sehen ist, hat etwa den Umfang eines Basketballs und glänzt silbern, als hätten ihn die Techniker gerade frisch poliert; außen an der Kammer waren Sensoren zur Überwachung installiert. "Reguläre Tests in der Kammer sind ab sofort genehmigt", notierten die Iraner zufrieden in einem Vermerk.

Bestandteil des Atomarchivs sind auch Tausende von Fotos, die iranische Wissenschaftler und Politiker bei der Arbeit zeigen, manche davon Selfies. Eine Bilderserie zeigt einen grau melierten Herrn in weißem Hemd, der mit Ohrschützern und einer Schutzbrille vor der Sprengkammer in Parchin steht und zufrieden lächelnd eine Testzündung verfolgt. Die Israelis wollen ihn als Mohammad Tehranchi identifiziert haben, einen prominenten iranischen Physiker, der heute Kanzler der Schahid-Beheschti-Universität in Teheran ist. Seine Einbindung zeigt, wie eng zivile und militärische Forschung miteinander verflochten waren.

Im Sommer 2003, nachdem die amerikanische Armee den Irak erobert hatte, wurden die Mullahs allerdings nervös. Die markigen Reden des damaligen US-Präsidenten George W. Bush, der von einer "Achse des Bösen" sprach, die neben dem Irak auch den Iran und Nordkorea umfasse, ließen sie fürchten, die Amerikaner seien bereit, von Bagdad aus bis nach Teheran weiterzumarschieren.

Die Dokumente spiegeln die Diskussion wider, die damals innerhalb der iranischen Nomenklatura geführt wurde. In einer internen Anweisung des Verteidigungsministers hieß es beispielsweise, das Nuklearprogramm werde "zweigeteilt: in einen offenen Teil mit einer regulären Struktur und einen klandestinen mit einer Geheimstruktur". Es gehe darum, "keine identifizierbaren Spuren zu hinterlassen". In einem Mailwechsel von August und September 2003 tauschten sich mehrere iranische Atomwissenschaftler darüber aus, dass "offene Aktivitäten solche sind, die als Teil von etwas anderem erklärt werden können und nicht als Bestandteil eines Projekts, für das wir keine Erklärung haben". Für die Forschung an Neutronen gebe es beispielsweise keine sinnvolle Erklärung, sie müsse verdeckt erfolgen.

Die neue Linie fiel internationalen Beobachtern auf – allerdings nur zum Teil. "Wir glauben mit hoher Sicherheit, dass der Iran im Herbst 2003 sein nukleares Waffenprogramm gestoppt hat", hieß es 2007 in einer abgestimmten Einschätzung aller amerikanischen Geheimdienste. Allerdings gehe man davon aus, dass der Iran sich zumindest die Option offenhalten wolle, Atomwaffen zu entwickeln. Dass die iranischen Techniker offenbar im Geheimen weiterwerkelten, war den US-Nachrichtendiensten seinerzeit entgangen.