Frage: Herr von Beust, Sie sind Protestant.

Ole von Beust: Ja.

Frage: Warum setzen gerade Sie sich für die katholischen Schulen in Hamburg ein?

Von Beust: Ich habe viele Freunde und Bekannte, die in solchen Einrichtungen zur Schule gegangen sind. Und die Art und Weise, wie dort unterrichtet und gelernt wurde, der Spirit, der von einer solchen Schule ausgeht, sind mir in den positivsten Farben geschildert worden. Aber natürlich sind das alles rein subjektive Wahrnehmungen. Sie sind für mich nicht ausschlaggebend.

Frage: Sondern?

Von Beust: Mich treibt um, dass wir uns in Zeiten befinden, in denen es einerseits einen Trend zur Abwendung von den Kirchen gibt und auf der anderen Seite Religionsgemeinschaften teilweise sehr massiv auftreten. Da halte ich es für uns Christen für wichtig, Schulen zu unterhalten, die junge Menschen im christlichen Sinne erziehen und unterrichten – gerade in einer Stadt wie Hamburg. Außerdem leisten sie eine Menge für die Toleranz der Religionen.

Frage: Nennen Sie bitte ein Beispiel.

Von Beust: Das katholische Gymnasium in Harburg, das gerade geschlossen werden soll, hat diese Integration in großem Umfang geleistet. Es wurden, was eine Besonderheit war, christlich-arabische Kinder unterrichtet. Und das in einem Stadtteil, der vornehmlich atheistisch und islamisch geprägt ist.

Frage: Dennoch: Ist der Einsatz für katholische Schulen nicht auch ein Misstrauensvotum gegen die staatlichen Schulen in Hamburg?

Von Beust: Nein. Zu meiner Zeit als Bürgermeister, und das hat der Senat meines Wissens danach auch weitergeführt, hat es ein klares Bekenntnis zu Konfessionsschulen, aber auch zu Privatschulen gegeben. Objektiv betrachtet entlasten sie den Haushalt der Stadt trotz aller Zuschüsse, die eben nicht die Gesamtkosten abdecken. Was aber viel Wesentlicher ist: Es wird dadurch eine Vielfalt im Bildungswesen sichergestellt. Ich denke, das gilt für alle Bereiche: Wo es keinen Wettbewerb, sondern ein Monopol gibt – und sei es nur ein staatliches – geht das zulasten der Unterrichtsqualität. Deshalb war ich – auch als Christ – immer ein Anhänger von Konfessionsschulen.

Frage: Trotzdem fällt auf, dass das Engagement für den Erhalt der katholischen Bildungslandschaft vornehmlich vom wohlhabenden Bildungsbürgertum kommt.

Von Beust: Ja und?

Frage: Während immer mehr Menschen aus den Kirchen austreten, steigen die Anmeldezahlen für katholische Schulen. Will die Elite ihren Sprösslingen nur "irgendwas mit Werten" bieten?

Von Beust: Das ist ein ungerechter Vorwurf. Denn das elterliche Engagement in der Schulwahl ist in den sogenannten gutbürgerlichen Kreisen einfach größer als in den unteren Schichten. Klar fände ich es gut, wenn das anders wäre. Trotzdem ist letztlich egal, von wem ein Argument stammt – man muss es prüfen.

Frage: Haben Sie als Unterstützer der Schulgenossenschaft wirklich damit gerechnet, dass alle acht katholischen Schulen in Hamburg gerettet werden könnten?

Von Beust: Als ich davon zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mich intuitiv dazu entschlossen, da mitzumachen. Mein Impetus war, dass in Hamburg christliche Schulen nicht aufgegeben werden dürfen. Ob das nun alle sind oder nur einige, das war erst mal nicht die Frage. Entscheidend war für mich, so viele Schulen wie möglich zu erhalten. Mir war auch vollkommen klar, dass eine Genossenschaft das nicht alleine stemmen kann. Ich hoffte aber, dass von der finanziellen Beteiligung möglichst vieler ein Signal an die Kirchenleitung ausgeht. Sie sollte erkennen, dass die Menschen auch persönlich bereit sind, kleine Opfer zu bringen. Mir kam es auf das Symbol an: nämlich, dass am Ende Kirche, Stadt und Genossenschaft eine gemeinsame Lösung finden.

Frage: Doch es kam anders. Was lief schief?