Junge entdeckt Wikingerschatz! Im April war der 13-jährige Luca plötzlich berühmt. Zeitungen, Fernseh- und Radiosender berichteten, dass er auf der Insel Rügen eine Silbermünze gefunden hatte. Kurz darauf entdeckten Forscher dort in der Erde weitere Münzen und Schmuckstücke. Alles war mehr als tausend Jahre alt – ein Schatz aus der Zeit des Wikingerkönigs Harald Blauzahn. Eine Sensation!

Lucas Geschichte mag märchenhaft klingen, es ist aber gar nicht ungewöhnlich, dass Schätze in der Erde entdeckt werden. Silberteller aus der Germanenzeit, Goldmünzen aus dem Mittelalter und jede Menge Schmuck und Münzen der alten Römer: Manche Experten sagen, dass noch tonnenweise Gold und Silber in deutschen Böden versteckt liegt.

Inzwischen lockt die Aussicht auf verborgene Kostbarkeiten jedes Jahr viele Schatzsucher an. Jetzt im Herbst ziehen sie wieder los und suchen auf den abgeernteten Äckern. Einer von ihnen ist Stephan Zeisler. Seit mehr als 20 Jahren stiefelt er mit einem Metallsuchgerät, einer Sonde, durch die Landschaft. Deshalb nennt er sich selbst Sondengänger, nicht Schatzsucher. "Auf Feldern findet man am meisten", sagt er. "Denn viele sind schon Hunderte Jahre alt. Dort luden die Bauern früher den Mist ab, den sie in den umliegenden Städten einsammelten." Der Mist stammte von Pferden und Kühen, die damals noch überall auf die Straße machten. Wenn die Leute etwas verloren, landete es oft im Mist – und später auf dem Feld.

Um einen Schatz zu finden, braucht man allerdings Geduld. Stephan Zeisler hat schon alte römische Broschen entdeckt und Nadeln, mit denen man früher Gewänder zusammenhielt. Oft aber schwenkt er seine Sonde auch wochenlang über den Boden und findet – nichts. Lucas Fund auf Rügen sei wie ein Lottogewinn: extrem unwahrscheinlich. Und wer nur auf Schatzsuche geht, weil er davon träumt, einen Batzen Goldmünzen auszubuddeln, um sich damit allerlei Wünsche zu erfüllen, der kann gleich zu Hause bleiben. Denn man darf nicht einfach behalten, was man findet. Auch Luca hortet das Wikingersilber nicht in seinem Kinderzimmer.

Eigentlich ist das klar: Dinge gehören einem nicht, bloß weil man sie gefunden hat. Wer seine Jacke oder den Geldbeutel verliert, möchte ja auch, dass der Finder die Sachen zurückgibt oder ins Fundbüro bringt. Tausend Jahre alte Silbermünzen kann man den Besitzern nun aber nicht so einfach zurückschicken, sie sind schließlich lange tot. Deshalb gibt es in jedem Bundesland Gesetze, die regeln, was mit sogenannten Bodenfunden passiert. Besonders wertvolle Stücke gehören automatisch dem Staat, also uns allen. Mit wertvoll ist aber nicht unbedingt gemeint, dass sie viel Geld kosten, sondern dass sie uns etwas über die Geschichte der Menschheit erzählen.

Der Wikingerschatz von Rügen ist gleich doppelt wertvoll. Erstens, weil er aus Silber besteht, also aus einem noch heute kostbaren Metall. Würde man alle Teile aus Lucas Fund einschmelzen, käme ein Klumpen von etwa eineinhalb Kilo dabei heraus. Für diese Menge Silber müsste man heute knapp 600 Euro zahlen. Viel Geld. Trotzdem kommt hoffentlich niemand auf die Idee, einen solchen Fund einzuschmelzen. Denn bei alten Schätzen geht es nicht nur um das Material, aus dem sie bestehen. Wertvoll ist – zweitens – auch, was sie über die Vergangenheit verraten. Damit beschäftigen sich Archäologen. Sie erforschen zum Beispiel, wie die Wikinger vor mehr als tausend Jahren gelebt haben. Durch alte Münzen, Helme oder Schmuckstücke können sie sich vieles zusammenreimen.

Wenn Stephan Zeisler etwas findet, zeigt er es zuerst den Archäologen in einer Denkmalbehörde. "Die untersuchen meine Funde, und danach bekomme ich sie meistens zurück", sagt er. Nur die besonders wertvollen Stücke werden einkassiert und zum Beispiel im Museum ausgestellt. In manchen Bundesländern gibt es einen Finderlohn, oft geht der Schatzsucher aber auch leer aus.

Manche begeben sich deshalb heimlich auf die Jagd und verkaufen ihre Funde an reiche Sammler. Die sind sicher große Fans und passen auf die Schätze hoffentlich gut auf. Trotzdem ist es unfair – und auch verboten. Denn wertvolle Schätze gehören uns allen, weil sie Teil unserer gemeinsamen Geschichte sind.

Die Archäologen interessieren sich übrigens nicht nur für das, was in der Erde schlummert, sondern auch dafür, wo, wie tief und in welcher Anordnung die Schätze liegen. So können die Forscher zum Beispiel sagen, wie alt ein Schmuckstück ist und ob es absichtlich versteckt wurde oder verloren ging.

Weil all das so wichtig ist, darf nicht jeder einfach auf Schatzsuche gehen und überall wild in der Erde buddeln. Auf Wiesen und in Wäldern ist es eigentlich verboten. Nur da, wo die Erde sowieso bewegt wird, ist es erlaubt. Die Sondengänger brauchen für ihre Suche außerdem eine Genehmigung. In manchen Bundesländern bekommt man die erst nach einer speziellen Schulung. Und alle Schatzgräber müssen volljährig sein. Kinder dürfen nur mitmachen, wenn sie ein Erwachsener begleitet.

So war es bei Luca, er war sogar mit einer ganzen Gruppe unterwegs. Nachdem er die Münze gefunden und aus der Erde geholt hatte, sagten alle gemeinsam der Denkmalbehörde Bescheid. Die organisierte dann eine richtig große Grabung, bei der Archäologen zusammen mit Luca und den Erwachsenen all die anderen Münzen und Schmuckstücke fanden. Noch wird Blauzahns Erbe untersucht, danach aber kommt es in ein Museum. Und dort können wir ihn uns dann alle ansehen: unseren Wikingerschatz.