Für reine Luft kämpft sie ebenso wie für sauberes Trinkwasser, für die Fische im Meer und die Tiere des Waldes: die Deutsche Umwelthilfe. Doch erst der Dieselskandal machte den kleinen Verein aus Radolfzell am Bodensee richtig populär. Erfolgreich bringt die Umwelthilfe immer wieder Details zur Abgasaffäre ans Licht und treibt Politik und Autoindustrie vor sich her. So wurde sie zur derzeit wohl einflussreichsten Nichtregierungsorganisation (NGO) im Land.

Zugleich ist sie seltsam intransparent. Die Namen der 333 Mitglieder, die ihren Kurs und ihre Ausrichtung prägen, sind geheim. Seit 30 Jahren ist Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch Stimme und Gesicht der Umwelthilfe – eine Amtszeit, die allenfalls hochbetagte Monarchen erreichen. Knapp drei Millionen Euro, gut ein Drittel ihrer Gesamteinnahmen und damit der größte Teil, erhält sie von Spendern und Sponsorpartnern. Doch viele davon bleiben anonym. Und manche haben ein hartes geschäftliches Interesse an ihren Kampagnen.

Weil Naturschutz ein gesellschaftlich breit akzeptiertes Ziel ist, wirkt das nicht wie ein Problem. Es ist aber eins.

Nur mal angenommen, es gäbe da einen anderen einflussreichen Verein. Der für die Freiheit des Individuums einträte (was ebenfalls ein akzeptiertes Ziel wäre), heimlich aber Geld von der Tabakindustrie bekäme. Man würde ihm die Sache mit der Freiheit nicht abnehmen. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie sich zivilgesellschaftliche Akteure finanzieren. Auf die Ziele kommt es dabei nicht an, nur auf Transparenz. Kein Zweck heiligt die Herkunft der Mittel.

Der CDU-Abgeordnete Heribert Hirte beschäftigt sich schon länger mit diesem Problem – und er hat einen Vorschlag. "Das Parteiengesetz mit seinen Regeln für Spender sollte analog auch auf Nichtregierungsorganisationen angewendet werden", sagt der Parlamentarier, der dem Rechtsausschuss des Bundestags angehört und Gesellschaftsrecht an der Universität Hamburg lehrt. "Um mögliche Interessenkonflikte erkennen zu können, sollten Großspender zwingend namentlich genannt werden – und zwar schon bei Summen ab 10.000 Euro."

So wie es Grenzwerte für Stickoxide in Autoabgasen gibt und für Nitrat im Trinkwasser, gibt es auch einen finanziellen Grenzwert zur Vermeidung von Interessenkonflikten. Für Parteien liegt er bei 10.000 Euro. Von dieser Summe an müssen sie Spendernamen im nächsten Rechenschaftsbericht veröffentlichen. Bei einer Summe von über 50.000 Euro müssen sie den Bundestagspräsidenten sofort informieren. Damit soll bereits der Anschein von Käuflichkeit vermieden werden. Diesen Gedanken in die Zivilgesellschaft zu übertragen halten auch andere für eine gute Idee. "Der Vorschlag geht in die richtige Richtung", sagt Annette Sawatzki von der Organisation LobbyControl. "Außer NGOs sollte man auch die vielen Stiftungen und Thinktanks sowie die professionellen Lobbyisten mit einbeziehen, deren Geldquellen, Interessenlagen und Auftraggeber oft ebenso unklar sind."

Treibstoff für Kampagnen

Geldquellen der Deutschen Umwelthilfe

DUH-Jahresbericht (Daten von 2016), gerundet © ZEIT-Grafik

Wie nötig klare Regeln sind, lässt sich anhand der Deutschen Umwelthilfe gut zeigen. Und zwar nicht nur, weil sie sich anmaßt, den "rechtsfreien Raum" schließen zu wollen – obwohl das Schließen rechtsfreier Räume eigentlich Sache des Gesetzgebers ist.

Abgesehen davon, dass man sie nicht wählen kann, sind zivilgesellschaftliche Organisationen den Parteien recht ähnlich. "Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit", heißt es im Grundgesetz. Auch NGOs wie die Umwelthilfe üben politischen Druck aus. So sind die Themen der Umwelthilfe vielfach auch die Themen der Grünen. Offen spricht sie davon, die Bevölkerung "mobilisieren" zu wollen. Doch gerade in Zeiten des Populismus, in denen es oft weniger um den sorgfältig gebildeten Willen des Volkes geht als um dessen schwankende Launen, ist die Fähigkeit zur Mobilisierung ein Machtfaktor.