Wer mangelndes Fingerspitzengefühl im Umgang mit Hunden beklagt, meint nicht unbedingt die Fertigkeit, ein Tier gekonnt am Hals zu kraulen. Gerade bei Leuten aus der Fußballbranche ist das Sinnbild von den unsensiblen Fingerkuppen beliebt, vor allem wenn sie über vermeintliche Hartherzigkeit von Regelhütern jammern. Der in letzter Minute gegen sie verhängte Elfmeter, auch wenn das Vergehen noch so eindeutig war: ein Beweis für mangelndes Fingerspitzengefühl des Unparteiischen. Die Rote Karte gegen den ach so unbescholtenen Verteidiger, und ist seine Blutgrätsche noch so brutal ausgefallen: kein Fingerspitzengefühl, Herr Schiedsrichter!

Folgerichtig fiel dem arbeitslosen Fußballtrainer Mirko Slomka eine ganz bestimmte Floskel ein, als er sich nun auf Instagram über einen Bußgeldbescheid der Stadt Hannover beschwerte. Frau Slomka hatte beim Gassigehen mit dem Familienhund gegen die Anleinpflicht verstoßen, die in öffentlichen Anlagen gilt. Und zwar auch dann, wenn der Hund wie im vorliegenden Fall nur mal schnell aus einem Becken trinkt; das kurzfristige Ableinen ist ordnungswidrig. Macht 88,50 Euro – Slomka postete die Rechnung und stellte den Parkaufseher an den Pranger: Jeder Schiedsrichter habe mehr Fingerspitzengefühl – "wie schade!!"

Der Satz von den Fingerspitzen ist die Floskel der Sünder, die sonst keine Argumente zu ihrer Verteidigung haben. Wie schade. Und das Diskreditieren im Netz ist die billige Rache des Prominenten, der viele Follower hat. Dafür wäre ein weiteres Bußgeld gerechtfertigt.

Wer derart auf den Hund gekommen ist wie Herrchen Slomka, ist in der Fußballszene in bester Gesellschaft. Nie spielten die Haushunde der Bundesliga eine größere Rolle als heute. Und das sogar nach dem Rückzug des berühmtesten Halters, Jupp Heynckes, der eine öffentliche Fernbeziehung mit seinem Freund Cando führte. Was der emeritierte Bayern-Trainer knapp verfehlte, hat der Freiburger Verteidiger Dominique Heintz erreicht: nämlich, dass der Hund berühmter ist als sein Besitzer. Mogli, der niedliche Australian Shepherd des Fußballprofis, hat auf Instagram knapp zehntausend Follower – und damit "mehr als die halbe Mannschaft" seines Bundesligaclubs von der Dreisam, wie Heintz in der Sport Bild enthüllte.

Während früher Fußball und Bier angeblich zusammengehörten, bilden inzwischen Ball, Hund und das soziale Netzwerk eine seltsame Einheit. Gerade hat die neue Fußballmoderatorin Dunja Hayali (ZDF-Sportstudio) im Internet den Tod von Emma, ihrer Golden-Retriever-Dame, betrauert. Ihrem "kleinen Emmchen" reimte sie einen Abschiedsgruß. Das bundesweite Mitgefühl war aber noch gar nichts gegen den Wirbel, den die Reise von Timone auslöste, das ist der Welpe des Dortmunder US-Stürmers Christian Pulisic. Dieser hatte kurz vor Weihnachten mit einem Aufruf bei Twitter seine Fangemeinde gefragt, ob ihm vielleicht jemand seinen Hund bringen könnte. Und zwar schlappe 210 Kilometer von seiner Heimatstadt Hershey in Pennsylvania nach Washington, D. C., wo der amerikanische Nationalspieler die Festtage verbringen wollte. Tatsächlich meldete sich ein Tierfreund, der Timone dann Heiligabend bei dem Star ablieferte. Zur Belohnung gewährte Pulisic dem Boten ein gemeinsames Foto. Und klar, man ahnt schon, welche kostenlosen Dienstleistungen sich die Fußballer kraft ihrer Popularität künftig sonst noch bei ihren Fans erzwitschern könnten. Ob vielleicht jemand im Garten des Idols den Rasen mähen könnte? In der Küche den Geschirrspüler ausräumen? Müll wegbringen? Und wie wäre es eigentlich mit Gassigehen? Irgendein Fußballfan wird sich bestimmt auch finden, der für die Slomkas den anfallenden Hundekot vom Bürgersteig eintütet. Zur Vermeidung einer weiteren Ordnungswidrigkeit und mit viel Fingerspitzengefühl.