Seit 100 Jahren dürfen Frauen wählen. Der Bundeskanzler ist eine Frau, auch wenn sie jahrelang versucht hat, das vor uns zu verheimlichen. Die Hälfte der Minister im Kabinett ist weiblich. So weit, so schön. Aber gleichzeitig saßen im Bundestag, der doch das Herz der Demokratie sein soll, seit 20 Jahren nicht so wenige Frauen wie in diesem.

Warum bloß wollen sie nicht da rein?

Mannigfache Gründe werden angeführt: Männer schreien gleich "Hier!", wenn Posten verteilt werden. Frauen muss man erst mal einfangen, und dann erklären sie, warum sie möglicherweise, ja sogar wahrscheinlich nicht geeignet sind. Männer nehmen zwar Elternzeit. Sie reden inzwischen bei allem mit, was den Nachwuchs angeht, und schreiben Bücher darüber – nur kriegen tun sie die Kinder leider immer noch nicht. Weshalb Frauen zu der Zeit, in der Mann Karriere macht, andere Dinge in Kopf, Herz und Bauch haben. Und schrecklich müde sind.

Bereits seit einiger Zeit wird deshalb im politischen Berlin darüber nachgedacht, wie man diesem Zustand – viele halten ihn auch für einen Missstand – abhelfen kann. Der Bundestag solle paritätisch besetzt werden, also je zur Hälfte mit Frauen und Männern, lautet ein Vorschlag. Über eine entsprechende Quotierung auf den Landeslisten könnte man dies bewerkstelligen.

Es geht hier keineswegs nur um Zahlenhuberei. Ausgerechnet in der CDU, die doch von einer Frau geführt wird, klagen Politikerinnen seit einiger Zeit, es gebe einen Backlash. Gerade die jungen Politiker, die doch die alten Rollenbilder längst überwunden haben müssten, seien oft erheblich konservativer als ihre vermeintlich altmodischeren Vorgänger. Viele agierten nach dem Motto: Gleichberechtigung, ja klar, aber in letzter Zeit ging das doch alles ein bisschen weit. Gern fällt dann auch das Stichwort Gender-Dings-Zeug-Wahn. Hier handelt es sich allerdings um ein relativ plumpes Täuschungsmanöver: Denn Frauen sind eben keine Minderheit. Sie sind vielmehr neuerdings immer öfter eine ärgerliche Konkurrenz für Männer. Umso erstaunlicher und änderungsbedürftiger, könnte man meinen, dass die neue Frauenpower im Parlament nicht recht anzukommen scheint.

Doch die Sache mit der Bundestags-Quote hat mehrere Haken. Der erste ist sozusagen ein technischer: Es gibt bereits quotierte Listen und selbst bei der CDU ein Quorum. Nur wird eben fast die Hälfte der Bundestagsabgeordneten direkt gewählt. Und unter den Direktkandidaten ist nur jeder vierte eine Frau. Denn um sich für ein Direktmandat bewerben zu können, braucht man Unabhängigkeit, Zeit, Geld, Risikobereitschaft. Dinge, die alles in allem immer noch mehr Männer als Frauen haben. Quotierte Listen würden also nur wenig helfen.

Der zweite Haken: Mehr Frauen in die Politik bekommt man womöglich nicht, wenn man sie nur passend für die Politik macht oder ihnen Einstiegshilfen bastelt, sondern indem man überlegt, was Politik attraktiver machen könnte. Man muss, klitzekleines Beispiel, wirklich nicht jede wichtige Sitzung abends beginnen lassen.

Frauen sind nicht die besseren Menschen. Und wo Frauen wirken, geht es nicht unbedingt besser, gerechter oder auch nur angenehmer zu. Aber andersherum wird ein Schuh draus: Wo autoritäre Strukturen herrschen, ist es auch mit Frauenrechten nicht weit her, beides gehört zusammen. Auch wer kein Freund von Quoten ist, kann die Augen vor diesem Zusammenhang kaum verschließen.

Was hat das mit dem Bundestag zu tun? Nun, die mäßige Frauenpräsenz erklärt sich auch dadurch, dass die Rechten so stark vertreten sind wie nie – und die FDP wieder. Wenn nur Frauen wählen würden, wäre Marine Le Pen nicht mal in die Stichwahl gekommen, Donald Trump wäre nicht im Amt, und die AfD wäre womöglich an der Fünfprozenthürde gescheitert. Man kann sagen: Je liberaler, desto Frau. Außer bei der angeblich so durchmodernisierten CDU/CSU und der FDP. Beiden, aber vor allem einer liberalen Partei müsste das eigentlich wehtun bis ins Mark. Also, Kraftfahrer, Mitgliederinnen, Liberale: Helft Quoten vermeiden – ändert euch!

PS: Warum zum Henker muss eigentlich ich diese Woche über Frauen schreiben ...?!