Die Erfolgsgeschichte von Rolf Martin Schmitz spielt nicht nur in Kohlegruben oder Kraftwerken. Sie spielt, jedenfalls in jüngerer Vergangenheit, auch in Gerichtssälen und Berliner Ministerien. Schmitz ist Vorstandschef von RWE und einer, unter dem das lange angeschlagene Unternehmen im vergangenen Jahr mal wieder richtig Gewinn gemacht hat. Allerdings weniger mit Energie. 1,7 Milliarden Euro überwies die Bundesregierung an fälschlich erhobener Brennelementesteuer zurück. Weitere dreistellige Millionenbeträge wird sie zahlen, weil sie den Atomausstieg schlecht organisiert und RWE auch dagegen erfolgreich geklagt hat. Und dann stieg der Wert des Unternehmens auch noch, weil die Branche die Bundesregierung davon überzeugen konnte, die Risiken der Atomendlagerung – und damit einen Teil der Kosten des Atommülls – zu übernehmen.

Braunkohle-Abbaugebiet

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Quelle: Handelsblatt © ZEIT-Grafik

Bei RWE weiß man seither: Viel Geld kommt auch rein, wenn die Berliner Politiker die Energiewende schlampig konzipieren – oder man im richtigen Moment die richtigen politischen Verbündeten hat. Und genau darauf kommt es auch in den kommenden Wochen wieder an, in der letzten großen Runde der deutschen Energiewende. Beim Kohleausstieg.

Durch den nämlich steckt RWE gerade mitten in einem Konflikt, der Bilder produziert, wie man sie seit den Protesten gegen die Kernkraftwerke und die Castortransporte nicht gesehen hat. Nur geht es jetzt eben nicht um Atommeiler oder strahlenden Müll, sondern um Kohle.

Seit RWE für seinen Braunkohletagebau die letzten Reste des Hambacher Forstes abholzen will, wächst im Rheinland der Protest. Der Wald, der schon seit Jahren von Naturschützern besetzt ist, aber bislang nur einer kleinen Minderheit der Umwelt-Szene bekannt war, wird für immer mehr Bürger zum Beweis für die Ignoranz der Energiewirtschaft und für die Lethargie der Politik. Und zum Symbol dafür, dass in der Energiewende etwas grundsätzlich falsch läuft. Weil Wälder abgeholzt werden und nicht das Klima geschützt wird.

Dabei ist die politische Lage so klar wie verfahren: Als die große Koalition sich Anfang des Jahres zu einer Regierung zusammenquälte, fand sie nicht die Kraft, über die Energiepolitik der kommenden Jahre zu entscheiden. Also beauftragte sie eine Kommission. Die soll bis Jahresende herausfinden, wie Deutschland nach dem Atomausstieg auch den Ausstieg aus der Kohleverstromung schafft.

Seit Frühsommer tagen die 28 Experten unter Leitung des früheren CDU-Generalsekretärs und Bahnvorstandes Ronald Pofalla, der Wissenschaftlerin Barbara Praetorius und der ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich. Um am Ende möglichst einvernehmlich darüber zu entscheiden, wie ein Ausstieg so organisiert werden kann, dass er sozial verträglich und ökologisch vertretbar ist.

Der Erfolgsdruck ist groß: Ohne eine drastische Reduktion der Kohleverstromung wird die Bundesregierung nicht nur ihre CO₂-Sparziele verfehlen, sie wird auch gegen das Pariser Klimaabkommen verstoßen, das sie einst bejubelt hatte.