Wer ist in Deutschland noch mal für den Wohnungsbau zuständig? Ach ja, Horst Seehofer, der Innen-, Heimat- und eben auch Bauminister. Allerdings konnte man das in den ersten Monaten seiner Amtszeit beinahe vergessen, so wenig hat er sich um das Thema gekümmert. Überhaupt wirkt die Wohnungsmarktpolitik der Bundesregierung angesichts der massiven Probleme in den Städten seltsam planlos und uninspiriert. Daran ändert auch der Wohnungsgipfel nichts, zu dem sie am Freitag eingeladen hat.

Da ist zunächst das Baukindergeld, die einzige Maßnahme, die Seehofer (CSU) wirklich wichtig schien. Familien mit Kindern, die ein Eigenheim kaufen, bekommen vom Staat einen Zuschuss. Die Wohnungsnot in den Städten aber wird das nicht lindern, sondern eher verschärfen, weil die Nachfrage nach Wohnraum dadurch weiter steigen wird. In den Städten mangelt es nämlich nicht am Geld, sondern an Flächen, auf denen überhaupt gebaut werden darf. Das Baukindergeld werde daher "vor allem zu höheren Preisen beitragen", resümiert das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.

Höhere Kaufpreise wiederum bedeuten: Wer vermieten will, muss den Mietern mehr abknöpfen, damit es sich rechnet. Das aber will Justizministerin Katarina Barley (SPD) unbedingt verhindern. Sie hat in den ersten Monaten ihrer Amtszeit vor allem an der bislang recht wirkungslosen Mietpreisbremse herumgedoktert. Nun kommen Verbesserungen im Detail, die, für sich genommen, auch durchaus sinnvoll sind. Insgesamt aber hat man den Eindruck, dass die beiden Minister eher gegen- als miteinander arbeiten: Seehofer pumpt mit dem Baukindergeld noch mehr Geld in den Markt, wodurch die Preise steigen, die Barley mit der Mietpreisbremse deckeln will. Die Mietpreisbremse wiederum macht den Bau neuer Wohnungen, den Seehofer ja eigentlich fördern will, für Investoren weniger attraktiv.

Dass diese Politik all jene frustriert, die keine Wohnung finden oder sich ihre Bleibe kaum noch leisten können, ist verständlich. Dieser Frust ist gefährlich. Kaum ein anderes Thema birgt so viel sozialen Sprengstoff wie die Wohnungsnot. Und das in einer Gesellschaft, die durch die Flüchtlingskrise ohnehin schon aufgewühlt ist, in der die Sehnsucht nach einfachen Antworten zunimmt. Kürzlich dachte der Berliner Bürgermeister Michael Müller in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung darüber nach, ob man nicht Ausländern den Kauf von Immobilien verbieten sollte. Einerseits kann man das nachvollziehen: Das viele Geld aus dem Ausland treibt die Preise nach oben. Andererseits zuckt man bei dem Vorschlag auch zusammen: Deutsche Wohnungen nur für Deutsche? Das hätte auch von der AfD kommen können.

Nun steht in der kommenden Woche der große Wohnungsgipfel im Kanzleramt an. Wieder einmal werden Mieterverbände und Immobilienlobby ganz unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was passieren muss. Und wieder einmal ist die Gefahr groß, dass am Ende alle auseinandergehen und vor allem Frust zurückbleibt.

Eine einfache Lösung für die Probleme auf dem Wohnungsmarkt, das ist die schlechte Nachricht, gibt es nicht. So hilft etwa die Forderung, die Regierung möge doch einfach ein paar Millionen Sozialwohnungen bauen, nicht weiter. Ja, es war ein Riesenfehler, dass der Staat in den vergangenen Jahrzehnten seine Wohnungen an private Investoren verkauft hat. Dieser Fehler aber lässt sich nicht mal eben korrigieren. Zwar gibt die Bundesregierung wieder mehr Geld für den sozialen Wohnungsbau aus. Aber zuständig sind dann die Länder, und dort fehlen in den Metropolen Bauflächen und Bauarbeiter. Hinzu kommt, dass die Baugenehmigungen sich ewig hinziehen. Ja, das ist frustrierend. Aber Wiener Verhältnisse, wo ein Viertel der Wohnungen der Stadt gehört, wird es in Berlin oder München auf absehbare Zeit nicht geben.

Noch aber, das ist die gute Nachricht, besteht die Chance, dass die Probleme auf dem Wohnungsmarkt dieses Land nicht spalten in Mieter und Vermieter, Verdrängte und Zugezogene, Deutsche und Ausländer. Stattdessen könnte Deutschland auf dem Wohnungsmarkt demonstrieren, dass es sehr wohl noch in der Lage ist, komplexe Probleme gemeinsam zu lösen, auch wenn das allen viel abverlangt.