Sicher ein Kuckucksei, denkt man beim Anblick der fein gemalten Miniatur vom Moskauer Kreml. Was, bitte, macht dieses Motiv im Nachlass von Kardinal Meisner zwischen all den Ikonen, Andachtsbildern und Heiligenfiguren, die am heutigen Donnerstag in Köln versteigert werden? Eine Drehung der handgroßen Devotionalie rückt die Dinge dann wieder ins Lot: Die andere Seite ziert eine klassische Auferstehungsszene – das zarte Ei aus Pappmaschee aus der russischen Manufaktur von Alexander Lukutin entstand als Geschenk für eine Priesterweihe 1879.

Es findet sich noch mehr Kurioses im Auktionshaus Lempertz, das über 600 Objekte des 2017 verstorbenen Kardinals katalogisiert und bewertet hat. Etwa eine Kusstafel Madonna mit Kind aus bemaltem Gips, die auf 50 Euro geschätzt wird. Einen pausbäckigen Christusknaben mit flammendem Herzen in der erhobenen Hand und einen nackten, hölzernen Putto mit Kardinalshut aus dem Allgäu, der 1970 entstanden ist und mindestens 2000 Euro bringen könnte. Geld, das in die Kardinal-Meisner-Stiftung für seelsorgerische Arbeit fließen soll.

Den wertvolleren Teil der Sammlung, den der Kirchenmann selbst von einer befreundeten Bildhauerin erbte, hat Lempertz schon im Frühjahr versteigert; darunter einen gotischen Klappaltar aus dem 14. Jahrhundert, der mit 120.000 Euro bewertet war, aber erst bei 400.000 Euro einem Käufer zugeschlagen wurde. Solche Preise werden die Möbel, das Porzellan oder das Silber zu Schätzpreisen zwischen 10 und 4000 Euro diesmal nicht ansatzweise erreichen. Dafür erlauben sie einen Blick auf die private Obsession eines Geistlichen, der sich ebenso für eine südamerikanische Almosenschale aus dem 18. Jahrhundert wie für Kommoden im barocken Stil oder einen Anhänger mit heiligem Nepomuk begeisterte. Schönem Kunsthandwerk konnte Meisner offenbar nicht widerstehen, davon erzählen seine zig Marienfiguren in unterschiedlichen Ausführungen. Genau wie die vielen Rosenkränze – und ein elegantes, silbernes Abendtäschchen, wie man es früher in der Oper, bestimmt aber nicht zum Kirchgang trug.