Im kommenden Sommer, am 21. Juli, wird sich jener "kleine Schritt für einen Menschen" zum 50. Mal jähren, mit dem der "riesige Sprung für die Menschheit" einherging. Die Landung der Nasa-Mission Apollo 11 auf dem Mond, der epochale Moment. Das Zitat von Neil Armstrong werden wir vermutlich schon im Januar nicht mehr hören können ...

Apollos Jahrestag wirft einen langen Schatten voraus. In Form von Sachbüchern und Fotobänden, historischen Dokumentationen und modernem Popcornkino. Ab November erzählt der Film Aufbruch zum Mond (englisch: First Man) mit Ryan Gosling Armstrongs Flug nach. Die Jubiläumsberichterstattung der Dabeigewesenen und Zurückblickenden schließlich wird spätestens zum Jahreswechsel einsetzen und sich dann durchs erste Halbjahr 2019 ziehen.

Ist ja auch schöner, in eine triumphale Vergangenheit zu blicken als – ja, wohin?

Tatsächlich gehört zum Jubiläumsjahr eine frustrierende Einsicht: Was damals ging, gelänge heute niemandem mehr! Die Nasa hatte dem Weißen Haus schon Anfang 2017 beschieden: Selbst ein Vorbeiflug am Erdtrabanten vor Ende der laufenden Amtszeit Donald Trumps 2021 wäre nur schwer zu verwirklichen. Ganz zu schweigen vom Jubiläumsjahr 2019 (zu früh selbst für den unbemannten Jungfernflug der neuen US-Mondrakete) oder gar einer Landung (kein passendes Gerät).

Natürlich ließe sich einwenden, das Feiern von Jahrestagen, Jubiläen und Symbolen sei ohnehin maßlos übertrieben, doch ist bemannte Raumfahrt eben auch ein zutiefst symbolischer Akt. Deswegen hatte die Firma SpaceX eine Mondumrundung mit zahlenden Passagieren just für 2019 in Aussicht gestellt – und musste diesen Plan wieder kassieren. In dieser Woche hat SpaceX nun verkündet, sie wolle mit einer größeren Rakete voller Passagiere später den Mond umrunden. Den Flug gebucht hat der Milliardär Yusaku Maezawa, der mit einer Art japanischem Zalando reich wurde.

Nun ist die Geschichte der bemannten Raumfahrt schon immer eine der Terminverschiebungen und Budgetüberschreitungen gewesen – aber eben auch eine der Inszenierungen. Da ist es angesichts des Heldenepos um Apollo und Armstrong schon schön, für wen Maezawa bei SpaceX Sitzplätze reserviert hat: für ausgewählte Künstler, die ihn begleiten und sich lunar inspirieren lassen sollen. Was für eine lässige Geste! Auch wenn des Mondmäzens Mission nicht einmal rechtzeitig zum 50. Jubiläum des letzten Apolloflugs von 1972 an den Start gehen wird.