Warum wird in diesen Mengen produziert? Weil die Landwirte über Subventionen Anreize bekamen, ihre Betriebe zu vergrößern und die Effizienz zu steigern. Für das Wohl der Tiere ist in dieser Rechnung aber kein Platz. Wenn ein Landwirt will, dass es seinen Tieren besser geht, muss er das selbst bezahlen.

Wer erleben will, wie die Gesetze der Agro-Industrie auf die Spitze getrieben werden, kann auf eine Kuhweide im Allgäu fahren, in den kleinen Ort Missen-Wilhams. Inmitten einer Postkarten-Idylle hält Wendelin Schmelzenbach hier 15 Rinder, die er doppelt so lange leben lässt, wie es bei den Fleischrassen üblich ist. Das Fleisch reift länger, wird dunkler und schmeckt besser, aber weil an Schmelzenbachs Rindern so viel Fett ist, bezahlt der Schlachter ihm kaum noch etwas dafür. Schmelzenbach kann sich diese Tierhaltung nur leisten, weil sein Sohn ein Restaurant betreibt, in dem Gäste für das Fleisch der Rinder zahlen.

Demnächst will Schmelzenbach etwas Neues ausprobieren: Er möchte seine Rinder auf der Weide schlachten. Stressfrei. Es klingt nach einer guten Idee, aber die Bestimmungen der Branche sind streng. Ein Jäger muss kommen, um das Rind zu schießen. Außerdem ein Metzger, falls der Schuss nicht sitzt, damit er das Tier ausbluten lässt. Ein Tierarzt muss dabei sein. Eine große Maschine wird gebraucht, die das tote Tier auf einen Anhänger hebt. Helfer müssen den Kadaver abtransportieren. Für die Kosten – 300 bis 400 Euro – muss Schmelzenbach aufkommen.

Der Bock

Gesunde Ziegenlämmer werden eingeschläfert

Dass es den Biobetrieb des Bauern Fionn Barnes nicht mehr gibt, liegt an seinen Böckchen. Barnes sagt: "Ziegenkäse ist hip. Man wird angelockt von den guten Preisen. Man bekommt 80 Cent pro Liter Bio-Ziegenmilch." Zahlreiche Landwirte steigen derzeit auf Ziegenhaltung um. Aber dann sind da eben noch die Männchen, die keiner will, die kleinen Böcke.

Die Nachfrage nach Ziegenkäse wächst, und dass der Markt nicht mit Ziegenkäse überschwemmt wird, liegt an den Ziegen. Man kann sie, anders als Kühe, nicht zu Hochleistern machen. Ziegen sind eigensinnig. Sie springen herum und fressen, was sie wollen, vor allem aber vermehren sie sich so, wie es ihnen passt: Die Böcke tun den Geißen durch Duftstoffe kund, dass sie bereit sind. Menschen finden, sie stinken. Ihr Fleisch gilt in Deutschland als ungenießbar.

Viele Biobetriebe lassen die Böckchen, wenn sie zwei Wochen alt sind, zur konventionellen Mast nach Frankreich bringen. Danach wird ihr Fleisch in ganz Europa verkauft. Andere Ziegenböcke werden zu Hundefutter verarbeitet oder an Raubtiere im Zoo verfüttert. Monte Ziego, die größte deutsche Bio-Ziegenkäserei, versucht nun, das Fleisch der Böcklein in Breigläschen für Babys zu verkaufen: Eine neue Generation von Kunden soll an den eigenwilligen Geschmack gewöhnt werden.

In seiner Zeit als Ziegenbauer hat Fionn Barnes mitbekommen, dass männliche Ziegenlämmer totgespritzt oder auf den Misthaufen geworfen werden. "Das machen die Bauern nicht, weil sie Spaß dran haben", sagt Barnes, "sondern weil kein Markt für das Fleisch der Böckchen da ist."

Barnes denkt darüber nach, nun Hühner zu halten.

Der Hahn

40 Millionen Küken werden jährlich getötet

Nirgendwo wird so offensichtlich, dass Männchen die Agro-Industrie stören, wie beim Hahn. Mehr als 40 Millionen männliche Küken werden in Deutschland jedes Jahr geschreddert oder vergast, das ist bekannt. Und weil die Öffentlichkeit das nicht länger hinnehmen will, fördert die Regierung Forschungsprojekte, in denen Methoden entwickelt werden, wie man das Geschlecht eines Kükens im Ei bestimmen und die männlichen Embryonen aussortieren kann.