Wenn Oksana Lyniv die linke Hand zum Auftakt hebt, sind alle da. Sofort. Als hätte sie einen Schalter umgelegt. Mit ihrem Blick, ja mit dem ganzen Körper, scheint es, fängt sie die Sinne ihrer Gegenüber ein und bündelt sie zu purer Energie. Ein Einsatz wie der, den sie bei der Probe zu Ruggero Leoncavallos Oper Pagliacci dem Grazer Opernchor gibt, ist maximal konzentriertes Jetzt: ein Vakuum, unendlich kurz und ewig lang. "In meinem Tempo!" ist eine Ansage, die Lyniv den Chorsängern mehrfach entgegenruft. Dabei evoziert sie eine unglaubliche Kraft, auch wenn sie nur mit einem Bleistift dirigiert.