Fast so gut wie der Konsum von Biolebensmitteln ist der von regionalen Produkten. Zumindest moralisch. Der Erwerb regionaler Produkte steht für gelebte Nachbarschaft und Naturschutz. Man hilft dem Bauern aus der Region, dem man vielleicht schon auf dem Wochenmarkt begegnet ist. Und man tut auch der Umwelt etwas Gutes, weil für den kürzeren Transportweg weniger Treibstoff verbrannt wird. So weit, so angenehm.

Die Nachricht des Lesers Benjamin G. ließ mich jedoch zweifeln. Sie enthielt Handyfotos aus dem Discounter Netto. Unter einem riesigen Schild, das von der Decke baumelte und auf dem "Markttag. Entdecke Obst und Gemüse aus deiner Region" stand, lagen Kartons voll mit der regionalen Pracht: Pfirsiche und Honigmelonen aus Spanien. Trauben aus Italien. Bananen aus ... na, ist auch egal. Jedenfalls nicht aus der Region. Oder doch?

Was ist eigentlich regional? Als Hamburger gilt für mich gefühlt als Region so alles im Umkreis von vielleicht 50 bis 100 Kilometern. Aber ehrlich, ich könnte nicht sagen, warum. Der Duden hilft weiter. Dort steht, eine Region sei ein "durch bestimmte Merkmale (zum Beispiel Klima, wirtschaftliche Struktur) gekennzeichneter räumlicher Bereich". Interessanterweise steht im Duden nicht, dass eine Region irgendwo in der Nähe liegen muss. Gut, vielleicht ist das durch den Zusatz "meine" Region abgedeckt, aber korrekt müsste es eigentlich heißen: "Entdecke Obst und Gemüse, das in deiner Nähe gewachsen ist". Auf Bananen und Honigmelonen und vieles andere müsste ich dann allerdings verzichten.

Machen wir uns also ruhig etwas vor, solange ein paar gute Worte dabei helfen. Dann können wir guten Gewissens immer noch sagen: "Ich kaufe ausschließlich regionale Produkte", und würden nicht einmal lügen. Aus irgendeiner Region kommen sie ja wirklich.