Wer auf seinen Reisen keine Anzüge braucht, der braucht keinen Koffer. © Oriana Fenwick für DIE ZEIT

Das Kaufen des richtigen Reisegepäcks erinnert mich immer an Camus. Weil wir uns den Touristen als einen glücklichen Menschen vorstellen müssen – einen Sisyphus, der der Vergeblichkeit unbekümmert ins Auge sieht. Da steht er im Kofferladen in der Rucksackabteilung und hat Vorstellungen, die niemals in das 75-Liter-Fassungsvolumen seines Gepäcks passen werden.

Ich selbst vertraue auf Rucksäcke, immer und immer wieder. Koffer sind sperrig, schlagen gegen Oberschenkel, bleiben mit ihren Rollen in jeder Asphaltritze hängen. Wer auf seinen Reisen keine Anzüge braucht, der braucht keinen Koffer.

Was man auch nicht braucht, sind die 75 Liter. Ich komme mit 35 aus. Zum Vergleich: Ein normaler Stadtrucksack hat um die 15 bis 20 Liter Volumen. Denken Sie nicht, ich sei einer dieser Ultraleichtreise-Verrückten, die ihre Zahnbürsten absägen, damit sie Gewicht sparen. Ich reise mit normalen Sachen.

Die allgemeine Annahme ist: Alles muss mit. Zwei Paar Schuhe, drei Hosen, zwölf T-Shirts, 15 Schlüpfer, der Klappstuhl, die Hängematte, das Tennis-Set und natürlich eine Luftmatratze, ein Kosmetikschrank.

Ich habe dieselben Fehler gemacht, habe mit riesigen Rucksäcken begonnen und es bitter bereut. Reisen bedeutet verzichten, den Abschied vom heimischen Komfort. Kreuzfahrten oder Hochzeitsreisen mögen Ausnahmen sein. Doch gewöhnliche Touristen, zu denen ich mich, trotz extravaganter Ziele, zähle, brauchen nicht viel. Ich bin mit 35 Litern durch Islands Schneestürme gelaufen (12 Tage), ich habe damit den Amazonas besucht (13 Tage) und bin vier Monate lang damit um die Erde gereist. Es hat immer gereicht.

Der Trick ist, das Gepäck an die Reise anzupassen, statt als Erstes vermeintliche Basics zusammenzukramen. In einen Rucksack gehören keine Eventualitäten wie etwa Taschenmesser, die viele Leute automatisch einpacken, nur weil sie so praktisch wirken. Deren Haupteinsatz ist, meiner Meinung nach, am Flughafen in der Mülltonne im Sicherheitsbereich zu landen. Danach merkt man dann oft: Es geht genauso gut ohne.

Kleidung schluckt Platz – vor allem wenn man den Fehler macht, nach der Länge der Reise zu packen. Dabei reicht Wäsche für vier bis fünf Tage, auch wenn Sie einen Monat lang unterwegs sind. Sie müssen bloß regelmäßig waschen. Und zwar nicht selbst mit Rei aus der Tube – noch so ein Platzräuber. Dann riecht die Wäsche hinterher nach alten Sportsachen. Gehen Sie in einen Waschsalon; die gibt es in fast jeder Stadt.

Am wichtigsten ist, sich klarzumachen, dass man so gut wie alles im Reiseland nachkaufen kann. Ich habe schon oft Sachen vergessen, wichtige Sachen, Medizin oder Kontaktlinsen. Und nie war es ein Drama, Ersatz zu besorgen – höchstens mal ein Abenteuer.

Früher, als ich noch mit vielen Dingen gereist bin, hatte ich immer Angst. Etwas zu verlieren, etwas im Hotel liegen zu lassen, nicht genug saubere Wäsche dabeizuhaben. Seit ich mit weniger Gepäck unterwegs bin, ist alles leichter geworden.