In der Visualisierung der Architekten überstrahlt das neue Gebäude seine Umgebung. Vis-à-vis der HafenCity Universität könnte ein Science-Center entstehen, ein Schaufenster der Wissenschaft, das Hamburgern und Besuchern zeigt, was die Forscher der Stadt zu leisten imstande sind. Diesen Traum präsentierten vor wenigen Tagen Wissenschaftler verschiedener Hochschulen und Forschungseinrichtungen, unterstützt von einem breiten Bündnis an Initiativen.

Es ist nicht sonderlich schwer, diese Idee großartig zu finden. Zumal die Initiatoren auch noch ausgerechnet haben wollen, wie man das Museum ohne Zuschüsse betreiben könnte. Und doch muss man die Euphorie bremsen. Mit einem Science-Center würde die Stadt leider nicht über Nacht zur Wissenschaftsmetropole, zum neuen München, wie mancher nun frohlockt. Ein strahlendes Schaufenster wäre schön – aber noch fehlt es der Wissenschaft in Hamburg gerade im Vergleich mit München an viel Grundlegenderem.

Es hat sich schon einiges gebessert in den vergangenen Jahren. Die Bedeutung der Wissenschaft für die Entwicklung der Stadt wurde erkannt. Sie sei gar die "entscheidende Dimension", sagte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) in seiner Antrittsrede im April – und setzte sich damit von seinem Vorgänger Olaf Scholz ab. Während alle anderen Länder (bis auf das Saarland) die gute Konjunktur in den Jahren zuvor genutzt hatten, um die Wissenschaft mit teilweise sehr viel zusätzlichem Geld zu fördern, blieb das Wissenschaftsbudget in Hamburg unter Scholz gerade einmal konstant. Wohlgemerkt in einer Zeit, in der die Stadt ihre Ausgaben insgesamt um ein Fünftel erhöhte.

Inzwischen hat Tschentscher seinen ersten Haushaltsentwurf als Bürgermeister vorgestellt: Auf die große Rhetorik folgt nur ein verhaltenes Handeln.

Grundsätzlich geht der Senat mit seinen Etatplanungen in die Vollen, im Jahr vor der Wahl nutzt er alle Spielräume, die es dank sehr guter Prognosen bei den Steuereinnahmen gibt. Risikopuffer? Das war einmal, kritisierte kürzlich sogar der sonst eher freundliche Rechnungshof. Von 14,2 auf 15,5 Milliarden soll der Etat der Stadt im kommenden Jahr steigen, um satte 9,2 Prozent. Und die Wissenschaft? Die Ausgaben dafür sollen von 1,12 auf 1,19 Milliarden Euro steigen, also um 6,3 Prozent.

Investiert der Senat in die "entscheidende Dimension" also weiter weniger als in andere Bereiche? Nein, heißt es aus der Wissenschaftsbehörde. Das Budget steige nur deshalb unterdurchschnittlich, weil der Bund weniger Geld überweise. Das Land kompensiere das. Und möglicherweise gebe es auch vom Bund noch mehr Geld.

Den Rückstand auf die deutlichen Zuwächse in den anderen Bundesländern wird Hamburg so aber nicht einmal ansatzweise aufholen. Die Münchner Hochschulen bewegen sich weiterhin in einer anderen Dimension.