Viele Musiker sind überzeugt: Ein Instrument frisch aus der Werkstatt klingt noch nicht optimal. Es muss eine Weile gespielt werden, um zu voller Form aufzulaufen. Der Glaube bezieht sich vor allem auf Saiteninstrumente wie Geigen und Cellos, aber auch Gitarren.

Der Klavierbauer und Psychologe Gregor Weldert aus Münster hat im vergangenen Jahr Studien zusammengetragen, die dieser Frage mit wissenschaftlicher Akribie nachgegangen sind. Zunächst stellte er klar, worum es nicht ging: So muss sich gewiss jeder Musiker zunächst einmal mit einem neuen Instrument anfreunden. Die Frage ist auch nicht, ob die reine Alterung des Materials den Klang beeinflusst. Weldert wollte wissen, ob das tatsächliche Spielen des Instruments – entweder durch einen Menschen oder durch einen Roboter – dessen Akustik verändert.

Dafür konnte er keine Belege finden. Zwar entdeckte er einige Arbeiten, in denen auf der mikroskopischen Ebene Veränderungen im Holz von Violinen durch Vibration festgestellt werden konnten. Aber hört man die? Sobald man doppelblinde Versuche mit Probanden macht, in denen also weder der Musiker noch der Zuhörer weiß, ob ein neues oder ein "eingespieltes" Instrument verwendet wird, lässt sich praktisch kein Effekt messen. So spielte das Tokyo String Quartet 1994 ein Konzert auf zwei Instrumenten-Sets: erst auf kostbaren alten italienischen Instrumenten, dann auf nagelneuen Geigen, Bratschen und Cellos. Die anwesenden Zuhörer empfanden die alten Instrumente als wohlklingender – aber sie wussten ja auch, worauf da gespielt wurde. Auf den Aufnahmen des Konzerts dagegen konnten selbst Experten keinen eindeutigen Unterschied feststellen.

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