Zur Entschuldigung der Berner Wissenschaftler könnte man sagen, dass es nach einem Zeitraum von 3500 Jahren auf ein paar Monate mehr oder weniger nicht ankommt. Es gibt doch keinen zwingenden Grund für besondere Eile, nachdem etwas seit der Bronzezeit im Boden gelegen hat. Da kann man schon mal ein halbes Jahr drüber schlafen. Und dann mal schauen, oder?

Nein. Im vorliegenden Fall wäre es gut gewesen, die Männer des Archäologischen Diensts des Kantons hätten ausnahmsweise an den Tag gelegt, was nicht zu den Kernkompetenzen des Berners gehört: Schnelligkeit. So kam es, dass am Ende die Raubgräber fixer zur Stelle waren. Nun laufen Ermittlungen der Polizei. Und niemand weiß, wie groß der Schaden ist.

Dass die Archäologen wenigstens in den Besitz einer Hand kamen, verdanken sie zwei ehrlichen Findern. Die Metalldetektoren der Hobbysucher schlagen im Oktober 2017 auf einer Wiese bei Prêles im Berner Jura an, unweit des Bielersees. Im Boden finden sie die aus Bronze gegossene Hand mit einem Armband aus Goldblech, insgesamt ein halbes Kilo schwer. Außerdem einen bronzenen Dolch und eine menschliche Rippe.

Einen Tag später übergeben sie den Fund dem Archäologischen Dienst in Bern. Erste Untersuchungen ergeben einen sensationellen Befund. Es dürfte sich um die älteste erhaltene Bronzeplastik der Menschheit handeln: 3500 Jahre. Diesen Rekord hielt bisher mit rund 3000 Jahren eine Kleinplastik aus Pakistan: die Tänzerin von Mohenjo-Daro.

Ähnlich alt wie die Hand von Prêles ist die Himmelsscheibe von Nebra. Dass Bronzezeitler bereits damals Statuen von menschlichen Formen gegossen oder geschmiedet hätten, ist jedoch neu. Weder aus Griechenland noch Ägypten sind den Experten solche Kostbarkeiten bekannt.

Die beiden Hobbyarchäologen liefern den Behörden nicht nur den Fund, sie verraten ihnen auch, wo sie auf die Preziose gestoßen sind. Der Archäologische Dienst macht sich schließlich auf, um Nachgrabungen durchzuführen – mehr als ein halbes Jahr danach. Vor Ort dämmert den kantonalen Forschern, dass sie nicht mit bernerischer Geduld bis zum Frühsommer 2018 hätten warten sollen. Zwei Löcher im Untergrund verrieten: Jemand war schneller gewesen.

Es sei, sagt Adriano Boschetti, der Leiter des Archäologischen Diensts, natürlich schade, dass man nicht früher nachgesehen habe. Als die Finder damals vorbeikamen, sei es "schon spät im Jahr" gewesen. Und im Winter sei der Boden erfahrungsgemäß manchmal gefroren. Und es habe halt ein wenig gedauert, bis man ein Team zusammenstellen konnte. Außerdem müsse man sich um 4300 Fundstellen im Kanton kümmern. Ja, räumt Boschetti ein, man habe die Situation "nicht als dringend eingestuft".