Nun wird die Reform der Begabtenförderung diskutiert.

Sie sind das beste eine Prozent: 30.000 Studierende bekommen ein Stipendium von einem der 13 Begabtenförderungswerke, etwa von der Studienstiftung des deutschen Volkes, dem katholischen Cusanuswerk oder der linken Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie erhalten 300 Euro im Monat und werden durch Tagungen oder Sprachkurse auch ideell unterstützt. Für Auszubildende allerdings gibt es bislang nur die Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB), die, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, jährlich tausend "Aufstiegsstipendien" vergibt. Wie geht das zusammen mit dem Mantra, man müsse die berufliche Bildung stärken?

Jens Brandenburg, einer der ambitioniertesten Bildungspolitiker der FDP im Bundestag, macht hierzu einen belebenden Vorschlag. In einem internen Papier "Begabung neu gedacht", das der ZEIT vorliegt, schreibt er: "Die Vielfalt der Begabungen sollte sich in den Begabtenförderungswerken widerspiegeln." Heißt: Neben Studierenden mit einem Einser-Abi oder sozialem Engagement sollten auch Azubis, die "theoretische Erkenntnisse in innovative praktische Anwendungen übersetzen", ein Stipendium bekommen. Die bislang rein akademisch orientierten Förderwerke sollten zehn Prozent zusätzliche Stipendien vergeben; auch das Budget der SBB soll demnach deutlich erweitert werden.

Dass 13 Förderwerke ihre Satzungen ändern und neue Aufnahmeverfahren entwickeln, ist unnötig aufwendig. Die Idee einer großen Azubi-Stiftung hingegen ist bestechend – mit vielen Millionen Euro und bis zu 5000 Stipendiaten, die auch an den Tagungen und Seminaren aller anderen Förderwerke teilnehmen dürfen. Eine solche Azubi-Stiftung des deutschen Volkes wäre ein Signal, das weit in die Gesellschaft ausstrahlt: Auch für die Besten ist eine Ausbildung eine sehr gute Option.