ZEIT: Warum?

Aebi: Sie bekommt viel mehr mediale Öffentlichkeit. Die Zeitungen sind voll, alle wollen ein Interview, die Person vorstellen. Die Frau wird zum Imagefaktor. Auch Firmen, die vom Fachkräftemangel betroffen sind, machen sich solche Überlegungen und suchen bewusst nach Frauen, die als Rollenvorbilder dienen.

"Die Andersartigkeit, die Frauen in die Führung einbringen, scheint immer noch zu hemmen."

ZEIT: Sie engagieren sich seit Jahren für mehr Frauen in Führungspositionen. Frustriert es Sie, dass es so langsam vorwärtsgeht?

Aebi: Es stimmt mich nachdenklich. Die Andersartigkeit, die Frauen in die Führung einbringen, scheint immer noch zu hemmen. Auch wenn längst bewiesen ist, dass sie ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor sind. Aber man weiß halt auch, dass es mühsam ist.

ZEIT: Warum?

Aebi: In einem homogenen Team läuft alles wie am Schnürchen, alle denken gleich, alle spuren – mit dem Risiko, gemeinsam ins Verderben zu fahren. Diversity bedeutet permanente Auseinandersetzung.

ZEIT: Aus der Politik weiß man: Alle Bundesrätinnen, die in der Schweiz je gewählt wurden, hat man aus reinen Frauen-Tickets gewählt. Warum tut man das in der Wirtschaft nicht?

Aebi: Wir tun das schon seit Längerem, mit Erfolg. Aktuell haben wir eine Suche am Laufen für einen exponierten Schweizer Betrieb, der bis anhin eine rein männliche Geschäftsleitung hatte. Das will man nun ändern. Ich habe vorgeschlagen, einen reinen "Frauen-Search" zu machen. Da sind wir nun dran.

ZEIT: Das heißt, wir werden bald erfahren, dass ein wichtiges Schweizer Unternehmen erstmals eine Frau in die Führungsetage holt?

Aebi: Das hoffe ich sehr.

"Ich habe keine Angst vor Quoten, vor allem nicht auf Stufe Verwaltungsrat, da ist es kein Problem, genügend Frauen zu finden."

ZEIT: Was würden Sie einem Paar mit Kindern raten, das Karriere machen will?

Aebi: Die Hierarchien sind in den Unternehmen noch immer stark ausgeprägt. Wenn jemand auf Stufe Geschäftsleitung weniger als 80 Prozent arbeiten will, dann ist das schwierig. Ein Paar muss sich wahnsinnig gut organisieren, manche brauchen eine Rundum-Kinderbetreuung, um das zu schaffen.

ZEIT: Das klingt nicht gerade ermutigend ...

Aebi: ... ja, aber es gibt auch Firmen, die Familien mit organisatorischen Mitteln das Arbeiten erleichtern. Etwa indem sie Sitzungen nur noch zwischen neun und fünf Uhr ansetzen.

ZEIT: Braucht es den Druck von Quoten?

Aebi: Ich habe keine Angst vor Quoten, vor allem nicht auf Stufe Verwaltungsrat, da ist es kein Problem, genügend Frauen zu finden. Druck auf die alten Strukturen machen auch die neuen Uni-Abgänger, die anspruchsvoller sind und einen Arbeitgeber suchen, der so flexibel ist, wie dies die technologischen Möglichkeiten erlauben.

"Manchmal arbeite ich nachts, dafür fahre ich am Morgen erst nach dem Stoßverkehr ins Büro."

ZEIT: Sie haben vor zwanzig Jahren Ihre Karriere als Politikerin aufgegeben, um als Headhunterin zu arbeiten. Was war der Preis, den Sie dafür bezahlt haben?

Aebi: Keiner!

ZEIT: Keiner?

Aebi: Ich kam jung in die Politik, konnte bei National- und Regierungsratswahlen kandidieren. Das hat mir wahnsinnig Spaß gemacht. Dann hat mich die Liebe in einen anderen Wohnkanton gebracht, und die Politik trat in den Hintergrund. Heute habe ich das unglaubliche Privileg, meine Zeit frei einzuteilen. Manchmal arbeite ich nachts, dafür fahre ich am Morgen erst nach dem Stoßverkehr ins Büro.

ZEIT: Und was bekommen Sie für Ihren Job?

Aebi: Ein spannendes und vielseitiges Leben und ein gutes Salär, das von meinem Erfolg abhängig ist.