Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Jetzt ist schon wieder was hinter seinem Rücken passiert. Zustimmen, nein, das könne er diesen Formulierungen absolut nicht. Aber als Innenminister könne man ja auch nicht alles wissen. Und dann geschieht’s eben. Eine Razzia beim Staatsschutz, wer kann sich so etwas ausdenken. Und jetzt dieses Schriftl, bitte, ist ja nur eine Empfehlung, in der den Polizeistellen im ganzen Land geraten wird, dem vorlauten Reportergesindel ein wenig mehr auf die Finger zu gucken, das habe er sich im Grunde genommen auch nicht vorstellen können. Die Pressefreiheit, beteuert der Innenminister, habe er schon immer für das heiligste Gut einer Demokratie gehalten. Doch die Justiz oder die subalternen Tölpel, die machen einfach, was sie wollen. Und wer muss das Schlamassel ausbaden? Genau: der Unwissende. Gut, das Staatsoberhaupt und Kanzler mögen vielleicht ein wenig nachgeholfen haben, damit der Innenminister zu dieser Einsicht gelangte. Im Prinzip aber habe die schon immer tief in seinem Innersten geschlummert. Außerdem, was steht schon groß Neues in der blöden Empfehlung drinnen? Das hat man im Innenressort doch immer so gehalten. Kritiker werden ganz selbstverständlich auf Distanz gehalten. Sollen selbst schauen, wie sie zu ihren Informationen kommen. Nennen sich ja auch stolz investigative Journalisten. Dann zeigt mal, was ihr könnt, denkt sich der Innenminister insgeheim. Die lieben Leute aus den Boulevardmedien hingegen, diese manierlichen Apportierwesen, haben es schlicht verdient, dass sie mit ein paar extra saftigen Happen Grauslichkeit gefüttert werden. Das war auch schon immer Fall, da muss man doch nicht groß Aufhebens darum machen. Und irgendwer muss ja den schmutzigen Job machen und der Öffentlichkeit die Augen darüber öffnen, wie viel kriminelle Energie von dem ganzen Ausländergesocks eingeschleppt wird. Indigniert verzieht der Innenminister seine Miene. Jeder müsse Bescheid wissen, das sicherzustellen sei seine Pflicht als oberster Bewahrer von Ruhe und Ordnung. Und gleich wird jetzt wieder etwas hinter dem Rücken des Innenministers passieren.