Die Sonne fällt durch die Dachfenster des Ateliers in Langenhorn, eine dicke Spinne verharrt während des gesamten Interviews an der Wand über dem hellen Zeichentisch. Hier ist das Reich von Ole Könnecke, 57, einem der erfolgreichsten Kinderbuch- Illustratoren Deutschlands

DIE ZEIT: Herr Könnecke, wissen Sie, wie viele Bücher Sie schon veröffentlicht haben?

Ole Könnecke: 40? Ich habe nie nachgezählt.

ZEIT: Ihr neuestes Buch heißt Sport ist herrlich. Wie lang haben Sie daran gearbeitet?

Könnecke: Zu lang. Ich glaube, es waren eineinhalb Jahre. Mit Phasen des Suchens und Zweifelns.

ZEIT: Woran hakte es?

Könnecke: Ich habe mehr als 15 Jahre lang mit einem Computer gearbeitet, also die Farben mit Photoshop auf meine Zeichnungen aufgetragen. Der Vorteil: Man hat keine Angst, Fehler zu machen. Mir fiel aber auf, dass ich einen wahnsinnigen Aufwand veranstaltet habe, um die Zeichnungen so aussehen zu lassen, als wären sie mit Hand gemacht. Vor eineinhalb Jahren habe ich den Computer rausgeschmissen und wieder angefangen, mit Tusche zu malen. Ich musste rausfinden, welches Papier, welche Farbe ich nehme. Ich steckte fest.

ZEIT: Wie kommt man da wieder raus?

Könnecke: Jammern, schreien, klagen.

ZEIT: Sie können es sich leisten, eineinhalb Jahre nur an einem Buch zu arbeiten?

Könnecke: Ich habe einen Vorschuss erhalten.

ZEIT: Wie hoch ist so ein Vorschuss?

Könnecke: Ich weiß nicht, ob man darüber reden sollte.

ZEIT: Aber man kann davon ein Jahr leben?

Könnecke: Ja, man kommt über die Runden. Dazu kommen ja Erlöse der bereits erschienenen Titel. Der Vorschuss ist Verhandlungssache und eine Aussage darüber, wo man als Künstler steht. Von Kollegen höre ich oft Gruselgeschichten: niedrige Vorschüsse, niedrige Umsatzbeteiligungen, geänderte Bilder. Da geht es mir noch gut.

ZEIT: Wie gut?

Könnecke: Mein Vorschuss gibt mir Freiheiten. Am Ende erhalte ich die Abrechnung, wie gut sich das Buch verkauft hat, samt Umsatzbeteiligung.

ZEIT: Wenn eines Ihrer Bücher besonders erfolgreich ist, kriegen Sie ...

Könnecke: ... besonders viel, ja. Ich bin prozentual am Umsatz beteiligt. Zudem gibt es viele Lizenzausgaben, manchmal kleckert zwei, drei Jahre später noch Geld aus Frankreich rein.

ZEIT: Das Lizenzgeschäft ist lukrativ?

Könnecke: Ja! Das fing bei mir schon in den Neunzigerjahren an. Und es wird immer mehr. Ein französischer Verlag, der fast alle meine Bücher übersetzt hat, betreibt Bücher-Abos für Kindergärten und Schulen. Das gibt eine große Auflage.