Es war ein Ereignis, als der Deutschlandtrend von Infratest Dimap vergangene Woche meldete, 18 Prozent der Wähler würden derzeit der AfD ihre Stimme geben. Zum ersten Mal lag die Partei damit bundesweit an zweiter Stelle in den Umfragen, vor ihr nur die Union, hinter ihr alle anderen – SPD, Grüne, Linke, die FDP.

Vor einem Jahr, im September 2017, war die AfD bei der Bundestagswahl auf 12,6 Prozent der Stimmen gekommen. Seither geht es für sie in den Umfragen immerzu nur in eine Richtung: nach oben.

Matthias Jung, Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, spricht rückblickend von einem "linearen Anstieg": Als im Februar die Spitzen von Union und SPD ihren Koalitionsvertrag präsentierten, hatte die AfD schon zugelegt, auf etwa 14 Prozent. Nachdem Horst Seehofer Anfang Juli als Innenminister erst zurücktrat und seine Entscheidung gleich darauf wieder revidierte, waren es 16 Prozent. Es kamen die Proteste in Chemnitz, die Maaßen-Debatte, das abstruse Hin und Her um Rauswurf oder Beförderung des Geheimdienstchefs. Und nun: 18 Prozent.

Geht das immer so weiter? Ist die AfD gar auf dem Weg zur Volkspartei?

Manche in der AfD selbst sind da ziemlich zuversichtlich. "Wenn ich auf die SPD schaue", triumphierte Bernd Baumann, Parlamentarischer Geschäftsführer der Partei, diese Woche, "dann sind wir das doch längst: eine Volkspartei. Wir bilden die ganze Breite der Gesellschaft ab. Und bis wohin das gehen kann? Lesen Sie die Asylstatistiken. Solange das so weitergeht, sehe ich kein Limit für uns."

Die Demoskopen allerdings sind deutlich skeptischer. Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen etwa sagt, die aktuell hohen Werte "bilden nicht das Potenzial der Partei bei der nächsten Wahl ab. Ihr harter Kern ist deutlich kleiner, er liegt etwa bei einem Drittel der Leute, die derzeit angeben, für die AfD stimmen zu wollen." Auch andere Meinungsforscher halten die 18 Prozent für einen Ausreißer. Die großen Institute schätzen die Stammklientel der AfD deutlich niedriger ein: "Etwa zehn bis zwölf Prozent der Wahlberechtigten sind anfällig für rechtsradikale Positionen", sagt Manfred Güllner, Chef des Forsa-Instituts.

Richard Hilmer vom Politik-Forschungsinstitut policy matters kommt in seinen Berechnungen sogar auf eine noch geringere Stammwählerschaft der AfD, er spricht von etwa sieben bis acht Prozent. Es ist dieser Teil der deutschen Gesellschaft, der sich endgültig von den etablierten Parteien und Medien verabschiedet hat und der AfD wohl auch in den kommenden Jahren mindestens solide Wahlergebnisse beschaffen dürfte.

Wie aber kommen bei relativ kleiner Stammklientel die aktuellen Umfragewerte zustande? Alle Meinungsforscher verwenden den Begriff "Performance", wenn sie über die gegenwärtige politische Lage sprechen. "Ein erheblicher Teil der AfD-Anhänger wählt die Partei nicht aus programmatischen Gründen, sondern aus Protest gegen die Etablierten. Und die geben derzeit eben ein ziemlich desolates Bild ab", sagt Matthias Jung. "Die derzeitigen Umfrageergebnisse sind ein Ausdruck von Frustration", sagt auch Helmut Jung, der das GMS-Institut in Hamburg leitet.

Die aktuellen Umfragewerte ergeben sich demnach aus einer Formel: rechte Stammklientel plus Frust-Wähler.