Der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China nimmt dramatische Dimensionen an. Zugleich erreichen die Börsen an der Wall Street neue historische Höchststände. Wie passt das zusammen?

Auf den ersten Blick überhaupt nicht. Der weltweite Handel wuchs im ersten Halbjahr 2018 nur um drei Prozent, ein Jahr zuvor waren es noch fünf Prozent. Schon warnt die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), eine Verschärfung im Handelsstreit hätte "nachteilige Auswirkungen auf Investitionen, Arbeitsplätze und Lebensstandard weltweit".

Aber solche Warnungen werden nicht ernst genommen, nicht von den Börsen und nicht von Donald Trump. Bei einer Wahlkundgebung rief der US-Präsident seinen Anhängern zu, Amerika habe noch "mehr Patronen" im Lauf.

Ein besonders großes Kaliber hat er am Montag dieser Woche abgefeuert. Seither werden Einfuhren aus China im Wert von 200 Milliarden US-Dollar mit zusätzlichen Abgaben von zehn Prozent belegt; findet man in den nächsten Monaten zu keiner Einigung, sollen die Strafzölle vom 1. Januar 2019 an auf dann 25 Prozent steigen. Trump hat angedroht, bei chinesischen Gegenmaßnahmen die Abgaben auf weitere Güter im Umfang von 267 Milliarden Dollar zu erhöhen – dann hätte er praktisch den gesamten Export aus der Volksrepublik in die Vereinigten Staaten mit Strafzöllen belegt.

Es ist Chinas Schwäche, die Trump übermütig werden lässt

Natürlich nimmt China dies alles nicht tatenlos hin. Aber – darauf spekuliert Trump – Pekings Spielraum ist begrenzt. Amerikanischen Einfuhren aus China in Höhe von 506 Milliarden Dollar stehen chinesische Einfuhren aus den USA von lediglich 130 Milliarden Dollar gegenüber. China kann also nicht in gleicher Höhe zurückschlagen.

Natürlich, statt Strafzölle zu erheben, könnte China US-Unternehmen das Leben schwer machen. Aber die Führung in Peking weiß, wie schnell sie damit Vertrauen verspielen und den Investitionsstandort China in Misskredit bringen würde. Das zu einer Zeit, in der sich das Wirtschaftswachstum ohnehin verlangsamt.

Es ist Chinas Schwäche, die Trump übermütig werden lässt. Die chinesische Führung aber kann sich nicht vor den eigenen Bürgern demütigen lassen. Zieht Trump die Zollschrauben immer fester an, wird China sich wehren – selbst wenn dies seinen wirtschaftlichen Interessen widerspricht.