Schon 1958 erwarb Bernd Schultz seine erste Zeichnung – als Teenager. Später gründete er das renommierte Berliner Auktionshaus Villa Grisebach, wo er Tausende Bilder und Skulpturen anderer Besitzer versteigerte. Darüber vergaß er allerdings nie die eigene Sammelleidenschaft. Schultz besitzt etwa ein kostbares Frauenporträt des französischen Malers Henri Matisse, Skizzen aus der Zeit des Rokoko oder eine Bleistiftstudie zweier Füße, die der amerikanische Künstler Edward Hopper um 1900 aufs Papier bannte. Nun aber gibt der Sammler Ende des Monats fast alle seiner Stücke weg, bei der Auktion "Abschied und Neuanfang" im eigenen Haus – und für einen besonderen Zweck.

Knapp 400 Zeichnungen aus fünf Jahrhunderten umfasst das Konvolut mit Blättern wie La Persane (1929) von Matisse, das für mindestens 200.000 Euro unter den Hammer kommt. Andere Arbeiten beginnen schon bei 2000 Euro. Insgesamt hofft Schultz auf mindestens fünf Millionen Euro.

Bernd Schultz, der heute Mitte siebzig ist, hat mit der Kunst gelebt. Das weiß jeder, der schon einmal sein mit Bildern gepflastertes Büro in der Villa Grisebach betreten hat. Dass er sie nun verkauft, hat nichts damit zu tun, dass er sich mit all dem Geld ein gutes Leben machen will; das hat er schon. Seine Idee ist größer: endlich ein Exilmuseum für Berlin, in dem die Vertreibung der kulturellen Elite Deutschlands durch die Nationalsozialisten in Erinnerung gehalten wird.

Die Stiftung für das Haus ist komplett privat, sie hat ein Grundstück am ehemaligen Anhalter Bahnhof in Berlin im Blick, verfügt über mehrere Schenkungen – und bald auch ein imposantes Kapital.