Es gibt ein Leben nach dem Amt, auch für deutsche Bundeskanzler: Konrad Adenauer blieb Bundestagsabgeordneter bis an sein Lebensende, Willy Brandt leitete 25 Jahre lang die Sozialistische Internationale, Helmut Schmidt war Herausgeber der ZEIT. Auch Kurt-Georg Kiesinger, Ludwig Erhard und Helmut Kohl führten kein müßiges Rentnerdasein. Gerhard Schröder steht seit einem Jahr dem Aufsichtsrat des russischen Unternehmens Rosneft vor.

Welche der zahlreichen Tätigkeiten der Kanzler a. D. aber lassen sich zuverlässig unter die Rubrik "Abwicklung fortwirkender Verpflichtungen" fassen, wie es unter anderem in einem Haushaltsplan von 1967 heißt? Die Schwierigkeit, das in jedem Einzelfall zu beantworten, liegt auf der Hand. Trotzdem ist die Frage keineswegs banal: Die "Abwicklung fortwirkender Verpflichtungen" ist die historische Begründung dafür, dass aus dem Amt geschiedene Regierungschefs nicht nur Altersbezüge erhalten, sondern zusätzlich ein Büro samt Ausstattung, einen "Chefkraftfahrer" samt Wagen, eigenes Personal und so einiges mehr. Und das auf Lebenszeit.

Der Bundesrechnungshof hat nun erstmals die "Versorgung und Ausstattung" der Ehemaligen unter die Lupe genommen und die Ergebnisse in einem Prüfbericht an den Haushaltsausschuss des Bundestages zusammengefasst. Er liegt der ZEIT vor. Das Hauptergebnis: Es herrscht eine gewisse Sorglosigkeit. So hat das Bundeskanzleramt sämtliche geltend gemachten Reisekosten der Kanzler a. D. erstattet, ohne je zu prüfen, ob diese Reisen "im Auftrag und im Interesse der Bundesrepublik Deutschland" stattfanden – oder ob die Anlässe privater oder gar wirtschaftlicher Natur waren.

Das Bundeskanzleramt hat laut Rechnungshof auch keinerlei Einblick, welche Arbeit in den Ex-Kanzler-Büros eigentlich geleistet wird. Dafür verschaffte sich der Rechnungshof diesen Einblick, indem er die Büros stichprobenartig für den Zeitraum 2013 bis 2015 untersuchte und vor Ort inspizierte. Sein Fazit: Die Büros unterstützten die früheren Regierungschefs auch bei Tätigkeiten, aus denen sie zusätzliche Einkünfte erzielten. Das sei "unzulässig", urteilen die Prüfer. Ebenso problematisch sei, dass die Mitarbeiter der Altkanzler-Büros formell Mitarbeiter des Kanzleramts seien, das Amt aber keinen Überblick über deren Einsatz habe und keine effektive Dienstaufsicht ausübe: "Für das Personal blieb daher unklar, ob Arbeitsaufträge, die erkennbar allein aus dem Privatbereich der Bundeskanzler a. D. resultierten, erledigt oder abgelehnt werden müssen."

Ist es wichtig zu wissen, dass das Kanzleramt auch Minibar-Rechnungen beglich und der eine oder andere Dienstwagen vor allem Post durch die Republik fährt? Vielleicht nicht ganz so wichtig wie die Vorschläge, die der Bundesrechnungshof aus seiner Prüfung ableitet: Die Ausstattung der Kanzler a. D. solle genauer festgeschrieben und besser geprüft werden, schließlich gehe es um Bundesmittel. Erwägenswert sei zudem eine zeitliche Befristung der Bürofinanzierung.

Auch die Ausstattung der Altbundespräsidenten hat der Bundesrechnungshof geprüft – mit ähnlichem Ergebnis: Das "Gesetz über die Ruhebezüge des Bundespräsidenten" enthalte Lücken. So mangele es an einer umfassenden Regelung zur Anrechnung von Einkünften auf den "Ehrensold" der Ex-Präsidenten. Denn auch die Büros der Ex-Präsidenten helfen bei Privatangelegenheiten, manchmal helfen sie sogar den Ehefrauen. Und auch das Bundespräsidialamt hat keine Übersicht, was es eigentlich bezahlt und erstattet – während zugleich der Umfang der Ausstattung seit Jahrzehnten steigt. Eigentlich war es mal so gedacht, dass der Ehrensold ausreichen sollte, um für Büros und nötige Ausgaben für "fortwirkende Amtspflichten" aufzukommen. Mehr nicht. Das scheint in Vergessenheit geraten zu sein.

Der Bericht nennt keine Namen, deshalb lässt sich nicht sicher sagen, welcher Ex-Präsident 89.000 Euro Jahresmiete für sein Büro bezahlt bekommt und welcher mit 24.000 Euro auskommt. Für wessen Dienstwagen ein "Freizeit-Modul" für sperriges Sportgerät angeschafft wurde. Und wer sich private Ausflüge in Freizeitparks erstatten ließ. Sicher ist allerdings, dass die ehemaligen Staatsoberhäupter genau wie die früheren Kanzler solche Spielräume nur haben, weil der Gesetzgeber ihre Ausstattung nie klar geregelt hat.