Elon Musk, Gründer und CEO des kalifornischen Elektroautofabrikanten Tesla, ist von der US-Börsenaufsicht SEC abgestraft worden. Doch bestraft wird der exzentrische Firmenchef damit nicht, im Gegenteil: Die Strafe bestätigt ihn nur.

Offenbar genervt von den strikten Regeln für börsennotierte Unternehmen, hatte Musk im August per Twitter erklärt, er wolle Tesla von den Aktionären zurückkaufen. Die Mittel – mit 70 Milliarden Dollar wäre es der größte Deal dieser Art gewesen – stünden bereit. Daraus wurde dann nichts, auch weil die Finanzierung, anders als von ihm angekündigt, nicht vorhanden war.

Für Musk war es nur ein weiterer spontaner Einfall, für die SEC, die solche Ankündigungen ernst nimmt, ein Betrugsversuch. Die Aufseher forderten, Musk solle zwei Jahre sein Mandat als Aufsichtsratschef ruhen lassen und eine nominale Strafe zahlen, um die Vorwürfe beizulegen. Das ist angesichts der Beschwerde alles andere als harsch, es sollte wohl eine Warnung sein.

Musk lehnte jedoch das Angebot ab, er werde seine Integrität verteidigen, sagte er. Die SEC zog daraufhin vor Gericht. Der Streit ließ die Aktien von Tesla abstürzen. Die Geduld der Tesla-Aktionäre ist schon strapaziert genug. Der Autobauer schreibt Milliardenverluste und ist hoch verschuldet.

Damit nicht genug, machte Musk jüngst Schlagzeilen, weil er in einem öffentlichen Video einen Joint rauchte (das ist zwar legal in Kalifornien, wo das Interview stattfand, sorgte aber dennoch für Empörung, und der Aktienkurs von Tesla fiel anschließend weiter). Mit einem der Taucher, die an der Rettung des thailändischen Fußballteams beteiligt waren, liefert er sich einen bizarren Twitter-Streit. Der Brite, der diesen Sommer geholfen hatte, die Jungen aus einer überfluteten Höhle zu bergen, sei ein "Pädophiler", behauptete der Tesla-CEO mehrfach. Musk hatte sich geärgert, weil ein von ihm gestiftetes Mini-U-Boot bei der Rettungsaktion nicht zum Einsatz kam.

Am vergangenen Samstag willigte Musk nun doch noch in einen Vergleich mit den Behörden ein. Drei Jahre muss er als Aufsichtsratschef pausieren, außerdem muss er 20 Millionen Dollar Strafe zahlen. Ein Gremium soll künftig außerdem seine Twitter-Aktivitäten beaufsichtigen. Angesichts der Schwere der Vorwürfe der SEC kommt Musk noch einmal mit einem blauen Auge davon. Wäre die Klage der SEC erfolgreich gewesen, hätte er wahrscheinlich nicht nur als CEO von Tesla abtreten müssen, sondern auch seine Ämter bei seinen anderen Unternehmen wie etwa dem Raketenbauer SpaceX niederlegen müssen.

Statt Musk zur Räson zu bringen, bekräftigt die leichte Strafe seinen Ruf, unverzichtbar zu sein. Bis zu 40 Prozent des Börsenwertes von Tesla mache die Präsenz des Gründers aus, kalkulieren Wall-Street-Analysten. In einer seltenen Stellungnahme des von Donald Trump eingesetzten SEC-Chefs Jay Clayton hieß es, die "Fähigkeiten und der Einsatz bestimmter Individuen können ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens sein". Eine Absetzung von Musk würde nicht nur dem Betroffenen, sondern vor allem den Aktionären des Unternehmens schaden.

Künftig muss die SEC damit rechnen, dass angebliche Unverzichtbarkeit und Genialität als Argumente dienen, warum CEOs und Aufsichtsräte bei Verstößen verschont werden sollen. Musk kann also zufrieden sein. Seine Rolle als Ausnahmeerscheinung hat der Tesla-Gründer nun sogar von der Börsenaufsicht offiziell bestätigt bekommen.