Alina Oehler (27) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Manchmal erwische ich mich im Glauben daran, die Kirche mache zaghafte Schritte nach vorne, schaue ich aber genauer hin, erschrecke ich über den Rückwärtssalto mortale. Die neueste Apostolische Konstitution von Papst Franziskus beispielsweise: "Episcopalis communio" – "Bischöfliche Gemeinschaft" heißt das Dokument, mit dem der Papst Synoden neu ordnet (das Dokument ist bisher nur auf Italienisch verfügbar, so viel zur Weltkirche). Bei der Lektüre hatte ich zuerst das Gefühl, Franziskus wolle künftig wirklich die Stimme des ganzen "Volkes Gottes" stärken: Breite Umfragen zum Synodenthema – wie jetzt im Vorfeld der Jugendsynode – sollen künftig zur Regel werden. Auch vorsynodale Versammlungen sind weiter möglich, wie ebenfalls zur Jugend im Frühjahr geschehen. Ich war im März als Teilnehmerin für die Fraueninitiative "Voices of Faith" dabei und staune seither, wie es möglich war, mit 300 Jugendlichen aus aller Welt ein Papier zu formulieren, das unsere Anliegen bündelte und den Bischöfen anschließend zum Arbeitspapier gelegt wurde.

Dann las ich Artikel 2 der neuen Konstitution, der hinzufügt, dass Personen, die keine Bischofsweihe haben, ebenfalls zur Synode berufen werden können. Hier geht es ans Eingemachte – denn dahinter verbirgt sich, dass auch Nichtbischöfe eine Stimme haben. Bereits 2015, bei der letzten Synode, hatte der Papst das erste Mal das Votum eines nicht geweihten (!) Ordensmannes zugelassen. Wenn nun aber die Verbindung von Weihe und Stimmrecht nicht mehr unantastbar scheint, frage ich mich, ob dann endlich auch Ordensfrauen stärker einbezogen werden.

In meinem Studium in Rom saß ich mit vielen von ihnen in der Bank und wurde von einer Dominikanerin unterrichtet. Die Expertise und Klugheit dieser frommen Frauen beeindruckt mich bis heute. Ist jetzt auch ihre Stunde gekommen?

Die Ernüchterung kam mit der Pressekonferenz. Bischof Fabio Fabene, Untersekretär der Bischofssynode, bestätigte zwar, dass es nun möglich sei, dass die Generaloberen der Männerorden jedes ihrer Mitglieder zum Synodenteilnehmer bestimmen könnten, auch Nichtpriester. Für Frauenorden gelte das aber nicht, sie seien ja bereits als Beobachter und in anderen Funktionen präsent und hätten das Recht zu sprechen. Ich war fassungslos und erinnerte mich daran, wie ebenjener Fabene mit Kardinal Baldisseri bei der Vorsynode auf einer Bühne thronte, während wir unser Dokument verlasen, in dem der Wunsch nach einer Klärung der Rolle der Frau an mehreren Stellen deutlich benannt wurde. Die alten Herren verzogen damals keine Miene. Bisher war die kirchliche Lehre wenigstens konsequent: keine Priesterweihe, keine Stimme. Wenn das jetzt geändert wird, Frauen aber weiterhin ausgegrenzt werden, fällt auch mir keine plausible Verteidigung mehr ein. Das ist Diskriminierung! Die Schwestern, mit denen ich bisher darüber sprach, sind entsprechend entsetzt. Im Netz beginnen katholische Frauengruppen selbst gemalte Schilder mit "Votes for Women" in die Kamera zu halten. Wenn aus Rom nicht bald eine schlüssige Erklärung kommt, warum Frauen weiterhin benachteiligt werden, male ich mir auch ein solches Schild.