Die Pressekonferenz hat noch nicht begonnen, da scharen sich die Besucher schon vor der Pinnwand mit dem Siegerentwurf, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. An der Wand hängen eine Frontalansicht und ein paar Grundrisse des Gebäudes, in das der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G + J) im Jahr 2021 umziehen will – wobei das genaue Umzugsdatum noch offen ist und auch, ob G + J dann noch in erster Linie ein Zeitschriftenverlag sein wird.

Wo das neue Haus stehen soll, ist bekannt: ein Stück "elbaufwärts" (so hat G + J auch das Projekt Umzug überschrieben), am Rande des Lohseparks in der HafenCity, schräg gegenüber den Deichtorhallen, vis-à-vis zum Spiegel-Gebäude. Dann könne man einander auf die Schreibtische schauen, scherzte HafenCity-Geschäftsführer Giselher Schultz-Berndt, und Julia Jäkel, Vorsitzende der G + J-Geschäftsführung, murmelte trocken: "Sehr erfreulich".

Noch erfreulicher als die Nähe zum Spiegel-Verlag ist für Gruner + Jahr freilich etwas anderes: Für die Bahnreisenden aus Richtung Süden wird nicht mehr das Spiegel-Gebäude, sondern ihr Haus das erste sein, das sie von der Medienstadt Hamburg sehen.

Das Haus soll den Reisenden einen Blick in die Zukunft gewähren. Das war der Auftrag, den im eigens ausgelobten Architektenwettbewerb das Londoner Büro Caruso St. John gewonnen hat: nicht einfach nur einen neuen Firmensitz zu entwerfen als Ersatz für den alten, in dem der Teppichboden Flecken hat und wo in den Kabelschächten schon die Mäuse wohnen. Erstens soll das Haus ein neues Wahrzeichen für die Medienstadt werden, so wie das derzeitige und bald ausgemusterte Gebäude am Baumwall, entworfen 1983 von den Münchner Architekten Otto Steidle und Uwe Kiessler und bezogen 1990, als Wahrzeichen galt. Und zweitens lautete der Auftrag auch nicht nur, ein Verlagshaus für die Zukunft zu bauen, sondern das Verlagshaus der Zukunft, und zwar: ohne genau zu wissen, was ein Verlagshaus in Zukunft genau macht, woher das Geld kommt und womit die Mitarbeiter den Tag verbringen.

Vor 35 Jahren, als das Gebäude am Baumwall entworfen wurde, war der Verlag sich sicher: Hier würden Zeitschriften entstehen, stern, Geo, Gala und Brigitte, essen & trinken und Eltern. Wer heute Zeitschriften macht, erinnert sich an diese Zeit als die alten, guten Jahre, auch wenn die wenigsten sie selbst erlebt haben. Aus heutiger Sicht scheint es, man habe damals nicht nur dicke Hefte, sondern auch gleich Geld gedruckt. Das Haus am Baumwall strahlt genau diese Zuversicht aus. Eher ein Kunstwerk als ein Bürogebäude, verschwenderisch errichtet mit 70.000 Quadratmetern Nutzfläche, verteilt auf vier lange Trakte und einen Turm, ein Großteil davon: Gänge, Foyers, Lichtinseln – Journalismus, soll stern-Gründer Henri Nannen gesagt haben, ist Geplauder auf dem Gang.

Die heutige Gegenwart sieht aber ganz anders aus als die Idee, die man damals von ihr hatte. Das Gebäude ist an die Stadt verkauft, was daraus werden soll, ist offen. Für den Verlag war es zuletzt auf absurde Art zu groß und, angesichts der unüberschaubar vielen Projekte des Verlags, gleichzeitig zu klein.