Die Worte waren wohlgewählt und rückblickend doch etwas übertrieben. Ende Juli präsentierte Mark Zuckerberg bei einer Telefonkonferenz die Geschäftsergebnisse von Facebook für das zweite Quartal des Jahres 2018. Dabei betonte er besonders die Investitionen in Sicherheit und Datenschutz. "Das war eine Menge harter Arbeit, aber sie zahlt sich langsam aus", sagte der Facebook-Chef.

Und dann das: Vergangenen Freitag musste Facebook eingestehen, dass Hacker die Digitalschlüssel von rund 50 Millionen Accounts erbeutet haben. Die Angreifer nutzten dabei offenbar eine Schwachstelle im System aus, die schon seit Juli 2017 existiert. 90 Millionen Facebook-Nutzer wurden aus Sicherheitsgründen automatisch aus ihren Konten ausgeloggt. Pikant an der Sache ist, dass auch Apps wie Spotify, Instagram, Tinder oder Airbnb betroffen sein können, wenn Facebook-Nutzer sich mit ihrem Profil dort angemeldet haben.

Die Nachricht vom Freitag war dabei nur der Höhepunkt einer Woche zum Vergessen für Facebook, dessen Nutzer und Aktionäre.

Alles begann am Dienstag vergangener Woche, als die Gründer des Foto-Netzwerks Instagram Facebook verließen. 2012 hatte Zuckerberg Instagram für eine Milliarde Dollar übernommen. Die Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger bekamen großzügige Aktienoptionen und sollten Instagram für Facebook weiterentwickeln. Doch vergangene Woche war Schluss.

Systrom und Krieger waren Medienberichten zufolge beleidigt, dass beide Plattformen enger miteinander verzahnt werden. Instagram-Nutzer beschwerten sich auch zunehmend über Werbe-Fotos in der App. Der Abgang der Gründer trifft Zuckerberg, da Instagram unter deren Führung steigende Nutzerzahlen verzeichnet, während Facebook in Europa und den USA stagniert. An der Börse verlor die Aktie infolge des Abgangs an Wert.

Dann meldete sich am Mittwoch vergangener Woche noch einer zu Wort, der mit der Übernahme seiner Firma durch Facebook unglücklich ist: der Gründer des Textnachrichtendienstes WhatsApp, Brian Acton. Dem US-Magazin Forbes sagte er: "Ich habe die Privatsphäre meiner Nutzer verkauft. Damit muss ich jetzt leben." Außerdem beklagte er sich darüber, dass WhatsApp-Nutzern nun personalisierte Werbung eingespielt wird.

Dabei hat Facebook schon genug Ärger. Anfang des Jahres kam die Plattform in die Kritik, weil Nutzerdaten an die dubiose Analysefirma Cambridge Analytica gelangten. Mithilfe der Daten wurde der US-Wahlkampf zugunsten von Donald Trump beeinflusst und Stimmung für die Brexit-Abstimmung in Großbritannien gemacht.

Gefährlich werden können Zuckerberg die Skandale jedoch nicht, zumindest mit einer Rebellion der Aktionäre muss er nicht rechnen. Das liegt an der Aktienstruktur von Facebook.

Es gibt nämlich zwei Arten von Aktien: solche, die von Zuckerberg und einer Gruppe von Insidern gehalten werden und denen zehn Stimmen pro Aktie zustehen. Und solche, die normal gehandelt werden und deren Eigentümer eine Stimme je Aktie haben. Dadurch hat Zuckerberg 60 Prozent der Stimmrechte und ist praktisch Alleinherrscher. Als solcher hat er es zu einem Privatvermögen von rund 60 Milliarden Dollar gebracht.

Aber wenigstens als Facebook-Nutzer ist Zuckerberg einer unter vielen. Wie die New York Times berichtet, soll bei dem jüngsten Überfall auch sein Konto geknackt worden sein. Zumindest vor den Datendieben sind alle gleich.

Korrektur: In einer früheren Version hieß es, dass Facebook Nutzerdaten an Cambridge Analytica verkauft habe. Tatsächlich sammelte der Wissenschaftler Aleksandr Kogandie Daten legal über ein Quiz auf Facebook und gab sie ohne Wissen der Nutzerinnen und Nutzer an Cambridge Analytica weiter. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.